28 March 2026, 18:34

Wie Neslihan Arol die osmanische Erzählkunst in Berlin feministisch neu erfindet

Titelbild einer Zeitschrift namens 'Le Théâtre', das eine Frau in einem rosafarbenen Kleid mit zurückgebundenem Haar zeigt, die direkt in die Kamera schaut.

Wie Neslihan Arol die osmanische Erzählkunst in Berlin feministisch neu erfindet

Neslihan Arol verleiht einer jahrhundertealten Männertradition in Berlin eine feministische Note

Mit ihren Meddah-Auftritten im Bavul Café in Kreuzberg verwandelt Neslihan Arol die osmanische Erzählkunst in ein lebendiges, politisches und mehrsprachiges Erlebnis. Ihre Shows verbinden Humor, Gesellschaftskritik und eine ganz persönliche Reise, die weit entfernt von der Bühne begann.

Arols Weg zur Erzählkunst war alles andere als geradlinig. Trotz der Warnungen ihres Vaters, der ihr von der Schauspielerei abriet, verließ sie ihr Studium der Chemieingenieurwissenschaften, um sich der Performance zu widmen. 2014 begann sie in Berlin, Comedy, Clownerie und Meddah zu fördern – ein Projekt, das acht Jahre brauchte, um voll zur Entfaltung zu kommen.

Ihre Auftritte sind alles andere als traditionell. Die Figuren wechseln zwischen Deutsch, Türkisch und Englisch, verweben scharfen Witz mit politischer Kommentierung. Für Arol ist die Clown-Figur eine feministische Waffe – ein Werkzeug, das Normen aufbricht und Machtungleichgewichte entlarvt. Diese Perspektive prägte sogar ihre Masterarbeit, in der sie Clownerie aus feministischer Sicht untersuchte.

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Auf der Bühne wird eine einfache Teelichtkerze zum mächtigen Symbol. Sie steht für die Menschlichkeit der Meddah-Künstler:innen, einer Tradition, die einst von Männern dominiert wurde. Ursprünglich nutzte Arol eine alte Gaslampe, doch nach einem gefährlichen Vorfall wechselte sie zu der sichereren Kerze. Am Ende jeder Vorstellung bläst sie sie aus – ein leises, aber bewusst gesetztes Zeichen für das Ende der Erzählstunde.

Arols Meddah-Experiment stellt alte Traditionen infrage und schafft gleichzeitig neuen Raum in der Berliner Kunstszene. Seit ihrem ersten Auftritt 2022 bietet sie eine frische Interpretation einer historischen Kunstform. Die Kerze, die Sprachen und das Lachen verweisen auf eines: eine Erzählkunst, die sich nicht von der Vergangenheit einengen lässt.

Quelle