30 December 2025, 23:03

Wie ein 700-Meter-Zug die digitale Rückständigkeit der deutschen Bahn enthüllt

Ein belebter Bahnsteig mit mehreren Zügen auf den Gleisen und vielen Menschen darauf.

Wie ein 700-Meter-Zug die digitale Rückständigkeit der deutschen Bahn enthüllt

Ein 700 Meter langer Güterzug mit 50 Containern reiste kürzlich unter der Führung des erfahrenen Lokomotivführers Hans Blom von den Niederlanden nach Deutschland – eine Fahrt, die den eklatanten Gegensatz zwischen den beiden Eisenbahnsystemen offenlegte: Während das eine voll digitalisiert ist, setzt das andere noch auf veraltete Signale.

Die Reise machte zudem die größeren Probleme bei der Modernisierung des deutschen Schienennetzes deutlich, wo bisher nur ein Bruchteil der Strecken mit dem modernen Europäischen Zugsicherungssystem (ETCS) ausgestattet ist.

Hans Blom, ein Lokführer mit fast 40 Jahren Erfahrung, startete im niederländischen Rangierbahnhof Kijfhoek. Seine Route führte durch die hochtechnisierte Region Betuwe, eine reine Güterverkehrsstrecke ohne Bahnhöfe oder Bahnübergänge. Hier ist ETCS voll funktionsfähig: Digitale Signale, die über streckenseitige Transponder übertragen werden, steuern die Züge präzise.

Doch an der Grenze änderte sich das System schlagartig. Deutschlands Schienennetz hängt noch immer von herkömmlichen Lichtsignalen ab, sodass Blom sich mitten in der Fahrt umstellen musste. Dieser Wechsel unterstrich die zögerliche Einführung von ETCS in Deutschland – bis Ende 2024 sollen erst 500 Kilometer des gesamten Netzes damit ausgerüstet sein.

Eigentlich hatte die Deutsche Bahn eine deutlich umfassendere Einführung der digitalen Signaltechnik geplant. Doch der marode Zustand der Infrastruktur zwang das Unternehmen, seine Pläne zurückzufahren. Sowohl die Bahn als auch das Bundesverkehrsministerium räumen ein, dass Unterfinanzierung und ineffiziente Mittelverwendung die Modernisierung verzögern.

Das Ministerium zeigt sich frustriert über die zögerliche Haltung der Deutschen Bahn bei der Digitalisierung. ETCS verspricht mehr Automatisierung und eine europaweite Standardisierung, doch Deutschlands Abhängigkeit von veralteter Technik bremst den Fortschritt. Bloms Route, gespickt mit Umleitungen und Baustellen, war ein lebendiges Beispiel für diese anhaltenden Herausforderungen.

Die Fahrt von Kijfhoek nach Duisburg offenkundigte die Kluft zwischen digitalem und analogem Bahnbetrieb in Europa. Während die Niederlande Züge effizient mit ETCS steuern, hält Deutschlands begrenzte Umsetzung weite Teile des Netzes in der Vergangenheit fest.

Mit bisher nur 500 Kilometern modernisierter Strecke steht das Land vor einem langen Weg zur vollständigen Erneuerung. Die Verzögerungen riskieren, dass das deutsche Schienennetz im internationalen Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit verliert und künftigen Anforderungen nicht gewachsen sein wird.