09 January 2026, 10:53

Warum immer mehr Jugendliche in Deutschland ihre Ausbildung abbrechen – und wer die Schuld trägt

Ein Plakat mit einer Eisenbahn, die eine Brücke mit Trägernkonstruktion überquert, umgeben von Pflanzen, Häusern und Hügeln.

Warum immer mehr Jugendliche in Deutschland ihre Ausbildung abbrechen – und wer die Schuld trägt

Junge Menschen in Deutschland sehen sich wachsenden Herausforderungen gegenüber, wenn es darum geht, einen Ausbildungsplatz zu finden und sich langfristig daran zu binden. Stand 30. September 2025 hatten fast 85.000 Bewerberinnen und Bewerber noch immer keine Lehrstelle – ein deutlicher Beleg für den anhaltenden Kampf um Chancen auf dem Ausbildungsmarkt. Gleichzeitig sorgen sich Arbeitgeber, Bildungseinrichtungen und Jugendvertreter zunehmend über die Arbeitsmoral und Motivation von Auszubildenden.

Bei einem kürzlichen Forum in Remscheid trafen sich Vertreter von Schulen, Berufskollegs, lokalen Unternehmen und Jugenddiensten, um über die nachlassende Motivation junger Arbeitnehmer zu diskutieren. Daniel Bielecki, Vorsitzender des Remscheider Jugendrats, wies darauf hin, dass einige Auszubildende ihre Lehre ohne echtes Interesse beginnen und dadurch weniger engagiert seien.

Henner Pasch, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), kritisierte jüngere Mitarbeiter als faul und wenig einsatzbereit. In seinem eigenen Unternehmen beobachte er häufige Krankmeldungen und einen stärkeren Fokus auf Work-Life-Balance statt auf beruflichem Aufstieg. Pasch betonte jedoch auch, dass ältere Generationen eine Mitschuld trägen, da sie junge Menschen nicht ausreichend darauf vorbereitet hätten, ihre Erwartungen an die Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) verzeichnete eine ungewöhnlich hohe Abbrecherquote von fast 30 Prozent unter Auszubildenden, von denen viele Schwierigkeiten haben, passende Stellen zu finden. Hubert Ertl vom BIBB forderte, die Ängste junger Menschen ernst zu nehmen – etwa vor Inflation, den Nachwirkungen der Pandemie und finanzieller Unsicherheit im späteren Leben. Alexander Lampe vom Remscheider Industrieausbildungszentrum ergänzte, dass eine bessere Kommunikation zwischen Arbeitgebern und Auszubildenden helfen könnte, die Vorteile der beruflichen Ausbildung deutlicher herauszustellen.

Die Debatten in Remscheid spiegeln die übergeordneten Sorgen um die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland wider. Während Tausende weiterhin nach Ausbildungsplätzen suchen und die Abbrecherquoten hoch bleiben, stehen Arbeitgeber und Politiker unter Druck, sowohl praktische Hürden als auch veränderte Einstellungen zur Arbeit anzugehen. Nun geht es darum, die Unterstützungssysteme zu verbessern und die Kluft zwischen Erwartungen und Realität für junge Auszubildende zu überbrücken.