Warum *Dinner for One* seit 50 Jahren unseren Silvesterabend prägt
Warum *Dinner for One* seit 50 Jahren unseren Silvesterabend prägt
Jedes Jahr an Silvester schalten Millionen Menschen in Deutschland und Österreich ein, um Dinner for One zu sehen – eine kurze Komödie, die seit über 50 Jahren den Jahreswechsel prägt. Die schwarz-weiße britische Produktion, die erstmals in den frühen 1960er-Jahren ausgestrahlt wurde, zeigt eine ältere Dame, die ein Geburtstagsdinner für längst verstorbene Freunde ausrichtet. Wie die Sketch-Tradition entstand, bleibt unklar, doch längst ist sie zum kulturellen Fixpunkt geworden, der die stillen Stunden vor Mitternacht mit Lachen und Ritual füllt.
Im Mittelpunkt steht Miss Sophie, eine 90-jährige Aristokratin, die um 1900 in einem englischen Salon ihren Geburtstag feiert. Beharrlich besteht sie darauf, ein viergängiges Menü mit passenden Getränken für ihre vier engsten Freunde zu servieren – die alle nicht mehr leben. Der Butler James muss jeden Gast verkörpern, zwischen den Stühlen hin- und herwechselnd, um den Schein einer geselligen Runde aufrechtzuerhalten.
Die Komik entfaltet sich, als James, der Pflicht ergebene Diener, jeden Trinkspruch für die abwesenden Gäste mitmachen muss. Mit jedem Gang wächst seine Trunkenheit, doch bewahrt er irgendwie die steife Förmlichkeit des Anlasses. Die Satire des Sketches liegt in der überzeichneten Darstellung aristokratischer Rituale, in denen Einsamkeit und Tradition aufeinanderprallen – eine Performance, die zugleich absurd und berührend wirkt. Miss Sophie und James verbinden unausgesprochene Regeln. Ihre Dynamik oszilliert zwischen Abhängigkeit und stillem Einverständnis, während beide an der Illusion des Dinnerabends festhalten. Das Setting – eine untergehende Welt kolonialzeitlicher Umgangsformen – zeigt, wie Klasse und Gewohnheit den ursprünglichen Sinn überdauern und menschliche Nähe zu einstudierten Gesten verkommen lassen.
Seit den 1970er-Jahren läuft Dinner for One jährlich an Silvester und hat sich so von einer britischen Nischenkomödie zu einem geteilten kulturellen Moment gewandelt. Niemand hat bewusst die Tradition begründet; vielmehr verankerten die wiederholten Ausstrahlungen den Sketch im Rhythmus des Festes – als schrullig-düsterkomische Reflexion über Zeit, Erinnerung und die Inszenierungen, die eine Gesellschaft zusammenhalten.
Die anhaltende Beliebtheit des Stücks gründet auf der Mischung aus Slapstick und Gesellschaftskritik. Jahr für Jahr verbindet das ritualisierte Anschauen die Generationen, vereint Lachen mit einer subtilen Abrechnung über Isolation und Tradition. Für viele ist Dinner for One heute so selbstverständlich zum Silvesterabend gehörig wie Feuerwerk und Sekt.
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