Thyssenkrupp und Salzgitter: Zwei gegensätzliche Wege in der Stahlbranche
Susan auch SchlauchinThyssenkrupp und Salzgitter: Zwei gegensätzliche Wege in der Stahlbranche
Zwei der größten deutschen Industriekonzerne gehen in der Stahl- und Grünstahl-Branche völlig unterschiedliche Wege. Der diversifizierte Mischkonzern Thyssenkrupp zerschlägt sich selbst, um Wert freizusetzen, während Salzgitter mit einer klaren Dekarbonisierungsstrategie konsequent auf Stahl setzt. Beide Ansätze haben ihre Marktpositionen grundlegend verändert – die Thyssenkrupp-Aktie ist in diesem Jahr bereits um über 30 Prozent gestiegen, während Salzgitter nahe an Rekordständen notiert.
Die Neuausrichtung von Thyssenkrupp konzentriert sich auf den Verkauf nicht zum Kerngeschäft gehörender Vermögenswerte und die Fokussierung auf zukunftsträchtige Segmente. Die Wasserstofftochter Nucera gilt als führend in der Elektrolysetechnologie – einer Schlüsseltechnologie für grünen Stahl. Doch die Umsetzung stockt, und Analysten warnen vor einem möglichen Nettoverlust in dreistelliger Millionenhöhe. Die Aktie bleibt volatil, obwohl sich die Marktkapitalisierung von rund 2,08 Milliarden Euro Anfang 2025 auf 7,00 bis 7,20 Milliarden Euro bis Februar 2026 mehr als verdreifacht hat. Die jüngsten Kursgewinne von über 30 Prozent seit Jahresbeginn spiegeln den Optimismus über die Zerschlagungsstrategie wider – trotz täglicher Ausschläge wie einem Rückgang um 4,35 Prozent am 4. Februar.
Salzgitter hingegen setzt alles auf eine Karte: Stahl. Das SALCOS-Projekt zählt zu den fortschrittlichsten Dekarbonisierungsvorhaben Europas, wobei die Anlagen bereits im Bau sind. Die Übernahme von HKM beseitigte zwar Marktunsicherheiten, doch die Reaktionen der Anleger fielen gemischt aus. CEO Gunnar Groeblers Fokus auf grüne Lieferketten hält die Aktie stabil – nahe an Allzeithochs. Anders als Thyssenkrupp bietet Salzgitter zwar eine zuverlässigere Dividende, bleibt aber konjunkturabhängigen Risiken ausgesetzt.
Die beiden Unternehmen stehen damit für gegensätzliche Risikoprofile. Thyssenkrupps hochspekulative Strategie hängt von der erfolgreichen Umstrukturierung und dem Wachstum von Nucera ab. Salzgitters engere Ausrichtung auf Stahl und Dekarbonisierung spricht dagegen Anleger an, die in der grünen Transformation Stabilität suchen.
Der starke Kursanstieg von Thyssenkrupp hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, Vermögenswerte zu veräußern und Nuceras Technologie in großem Maßstab einzusetzen. Salzgitters Aktienstärke zeigt das Vertrauen in den grünen Stahl – doch zyklische Risiken bleiben bestehen. Beide Konzerne prägen ihre Branchen neu: der eine durch Zerschlagung, der andere durch Spezialisierung.