Thyssenkrupp setzt auf Wasserstoff und grüne Stahlpartnerschaften für die Wende
Anatol FrankeThyssenkrupp setzt auf Wasserstoff und grüne Stahlpartnerschaften für die Wende
Thyssenkrupp kämpft seit Jahren mit dem Niedergang seiner Stahlsparte – seit 2020 schrumpfen Produktion und Marktanteile. Nun treibt der Konzern eine umfassende Umstrukturierung voran: mit Vermögensverkäufen, Partnerschaften für "grünen Stahl" und dem Umstieg auf Wasserstofftechnologie. Die Aktie zeigt dabei eine gemischte Performance – zwar deutlich im Plus über die vergangenen zwölf Monate, doch noch unter den jüngsten Höchstständen.
Der deutsche Industriekonzern hat seinen globalen Anteil an der Stahlproduktion von etwa 1,5 % auf unter 1 % seit 2020 eingebüßt. Steigende Energiekosten, Importdruck aus Asien und Überkapazitäten haben die Sparte Steel Europe geschwächt, was zu sinkenden Umsätzen führte. Als Reaktion hat Thyssenkrupp umstrukturiert: Die Materialdienstleistungs-Sparte Materials Services wurde ausgegliedert, das Marinegeschäft verkauft und EU-Fördergelder – darunter 2,5 Milliarden Euro für Wasserstoff-Projekte – gesichert, um Emissionen zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Ein zentraler Baustein der Neuausrichtung sind die Stahl-Joint-Ventures. Bis zum 1. Juni 2026 wird der Konzern seinen Anteil an den HKM-Werken (Krupp Mannesmann) an Salzgitter AG veräußern. Zudem enden die Bramme-Lieferverträge zwischen Thyssenkrupp und HKM nun bereits Ende 2028 – vier Jahre früher als ursprünglich geplant. Parallel expandiert die Wasserstoff-Tochter Nucera nach Indien, und zwar über eine Kooperation mit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
An der Börse hat die Thyssenkrupp-Aktie in den letzten zwölf Monaten etwa 152 % zugelegt, notiert aber aktuell rund 12 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Die nächsten Finanzzahlen für das erste Quartal 2025/26 werden am 12. Februar 2026 erwartet.
Ziel der Umstrukturierung ist es, die Stahlaktivitäten zu stabilisieren und gleichzeitig den Wandel hin zu einer klimaneutralen Produktion zu beschleunigen. Mit Vermögensverkäufen, "grünen" Stahl-Kooperationen und Wasserstoffinvestitionen positioniert sich der Konzern in einem schwierigen Markt neu. Ob die Maßnahmen greifen, wird sich zeigen, wenn in den kommenden Monaten Finanzergebnisse und Projektfortschritte vorliegen.