SPD zerrissen: Streit um EU-Asylreformen spaltet die Partei vor Umsetzung
Krzysztof LöfflerSPD zerrissen: Streit um EU-Asylreformen spaltet die Partei vor Umsetzung
Zwei SPD-Abgeordnete haben sich öffentlich von einer gemeinsamen Erklärung distanziert, in der die Reformen des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) der EU kritisiert werden. Der Schritt unterstreicht die innerparteilichen Spannungen in der Migrationspolitik, auch wenn die SPD-Führung betont, dass ihre grundsätzliche Haltung unverändert bleibe. Die Reformen, die im Februar 2026 verabschiedet wurden, markieren eine bedeutende Wende in der Bearbeitung von Asylanträgen in Europa.
Die EU-Asylreform, bekannt als GEAS, wurde am 27. Februar 2026 vom Bundestag verabschiedet. Sie führt sogenannte Drittstaatenlösungen ein, die es ermöglichen, Asylanträge außerhalb der EU in Ländern wie Albanien oder Uganda zu prüfen. Eine weitere zentrale Neuerung entfällt die Notwendigkeit einer persönlichen Verbindung zu den Ländern, in die Abschiebungen erfolgen – ein Abschied vom internen Lastenausgleich innerhalb der EU hin zu einer externen Bearbeitung. Die Mitgliedstaaten haben nun bis Juni 2026 Zeit, die neuen Regelungen umzusetzen.
Rasha Nasr, migrationspolitische Sprecherin der SPD, machte deutlich, dass sie die gemeinsame Erklärung nicht unterstütze. Gleichzeitig bestätigte sie, dass es keine offiziellen Gespräche zwischen SPD und Grünen zu diesem Thema gegeben habe. Zwar räumte sie ein, dass einige Kritikpunkte berechtigt seien, doch bezeichnete sie die Debatte als Teil der üblichen parlamentarischen Auseinandersetzungen.
Helge Lindh, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt im SPD-Unterbezirk Wuppertal, hinterfragte den Zeitpunkt und die Absicht hinter der Erklärung. Er vermutete, dass es eher darum gehe, Spannungen innerhalb der Regierungskoalition zu schüren, als sachliche Bedenken zur Politik zu äußern. Trotz der unterschiedlichen Positionen betonten sowohl Lindh als auch Nasr die anhaltende Verpflichtung der SPD zu einer Migrationspolitik, die human, geordnet und rechtssicher sei.
Die Partei betonte, dass die Umsetzung der GEAS-Reformen in einer Weise erfolgen müsse, die rechtmäßig, praktikabel und achtsam gegenüber der Würde von Asylsuchenden sei.
Die innerparteilichen Differenzen der SPD bei den EU-Asylreformen werden nun besonders sichtbar, da die Frist für die nationale Umsetzung der neuen Regelungen näher rückt. Zwar hält die Partei an ihrem Kurs einer humanen Migrationspolitik fest, doch die abweichenden Standpunkte unter ihren Abgeordneten deuten auf eine anhaltende Debatte hin. Die Reformen werden nun in den Mitgliedstaaten eingeführt, wobei die ersten externen Bearbeitungszentren in den kommenden Monaten ihren Betrieb aufnehmen sollen.






