04 January 2026, 14:54

Radikale *Salome*-Neuinszenierung an der Komischen Oper Berlin polarisiert mit psychologischer Tiefe

Ein Mädchen tanzt in traditioneller Kleidung und Schmuck, mit einem Banner mit Text dahinter.

Radikale *Salome*-Neuinszenierung an der Komischen Oper Berlin polarisiert mit psychologischer Tiefe

Eine mutige Neuinszenierung von Richard Strauss’ Salome feiert Premiere an der Komischen Oper Berlin

Unter der Regie von Evgeny Titov ist am Berliner Schiller Theater eine gewagte Neuinterpretation von Richard Strauss’ Salome zu sehen – vom 21. November 2025 bis zum 3. Januar 2026. Die auf der biblischen Geschichte von Begierde und Rache basierende Oper entfaltet sich in einem markanten, matt-goldenen Gewölbe, entworfen von Rufus Didwiszus.

Im Mittelpunkt steht Salome, die Stieftochter von König Herodes, die besessen ist von Jochanaan, dem gefangenen Propheten. Dieser weist ihre Avancen zurück und bezeichnet Frauen als Ursprung allen Übels. Herodes wiederum, hingerissen von Salome, bietet ihr jeden Wunsch an – wenn sie nur für ihn tanzt.

Salome führt den Tanz der sieben Schleier auf und fordert daraufhin Jochanaans Haupt auf einer silbernen Schale. Obwohl Herodes die Heiligkeit des Propheten fürchtet, fühlt er sich an seinen Schwur gebunden und befiehlt die Hinrichtung. In einem Moment der Ekstase küsst Salome den abgetrennten Kopf – doch auf Herodes’ Befehl wird auch sie selbst getötet. Die einst in Wien verbotene Oper hatte ihre Uraufführung in Berlin erst, nachdem die Zensurbehörden auf die Aufnahme des Sterns von Bethlehem im Finale bestanden. In dieser Inszenierung verkörpert Nicole Chevalier die Salome, die sich in einer weißen Kapuze, die ihr Gesicht verhüllt, durch die karge Bühnenlandschaft bewegt.

Titovs Regie erkundet die unerbittliche Gier der Figuren, die sich an denen festklammern, die sie zurückweisen. Die schroffe, goldene Bühne verstärkt die Spannung zwischen Sehnsucht und Zerstörung. Herodes’ Besessenheit von Salome, die Eifersucht der Herodias und Jochanaans Verurteilung der Lust prallen in einer Produktion aufeinander, die die Geschichte auf ihr psychologisches Kernstück reduziert.

Salome in der Regie von Titov bleibt bis Anfang Januar am Schiller Theater zu sehen. Das minimalistische Bühnenbild und die intensiven Darbietungen unterstreichen die zentralen Themen der Oper – Besessenheit und ihre Folgen. Das Publikum erlebt eine Fassung, die Strauss’ umstrittene Vision treu bleibt und zugleich eine frische visuelle Deutung bietet.