05 April 2026, 00:34

Mordprozess nach 22 Jahren: Warum ein Kellner aus Bad Driburg damals sterben musste

Illustration eines historischen Prozessdokuments mit Porträts, Vorhängen und Text zum Fall Lord Baltimore.

Homophobie? Prozess wegen Mord an Kellner nach 22 Jahren - Mordprozess nach 22 Jahren: Warum ein Kellner aus Bad Driburg damals sterben musste

Ein 57-jähriger Mann aus Kürten steht seit dieser Woche vor dem Landgericht Paderborn wegen des Mordes an seinem 29-jährigen Nachbarn, einem Kellner, der vor über zwei Jahrzehnten in seiner Wohnung in Bad Driburg erwürgt aufgefunden wurde. Der Prozess begann mehr als 22 Jahre nach der Tat im November 2003.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Laut Staatsanwaltschaft überfiel der Angeklagte das Opfer, raubte dessen Habseligkeiten und ließ die Leiche mit einem Staubsaugerkabel gefesselt zurück. Der Kellner wurde in seiner Wohnung entdeckt, was früh den Verdacht auf ein homophobes Motiv lenkte. Jahrelang ermittelten die Behörden ohne Erfolg – bis ein DNA-Massentest und eine flächendeckende Speichelprobe zu Beginn des Jahres 2025 den Angeklagten mit der Tat in Verbindung brachten.

Ihm wird nun Mord vorgeworfen: Die Anklage wirft ihm vor, den Kellner festgehalten, erwürgt und dessen Geldbörse, Handy sowie Webcam gestohlen zu haben. Der Beschuldigte soll das Auto des Opfers weit vom Tatort entfernt abgestellt haben, um die Entdeckung der Leiche hinauszuzögern. Am ersten Verhandlungstag schwieg er zu den Vorwürfen. Der Prozess soll bis Januar 2026 laufen, mit acht weiteren Terminblöcken.

Als mögliche Tatmotive gelten die angebliche Feindseligkeit des Angeklagten gegenüber Homosexuellen sowie seine damaligen finanziellen Schwierigkeiten. Der Fall zählt zu den längsten Zeitspannen zwischen einer Bluttat und einem Prozess in der jüngeren deutschen Rechtsgeschichte. Bei einer Verurteilung droht dem Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe. Im Verfahren wird es sowohl um die forensischen Beweise als auch um den größeren Kontext von Hassverbrechen gegen LGBTQ+-Personen gehen.

Quelle