Junge Menschen warten länger mit dem ersten Sex – warum dieser Trend positiv ist
Susan auch SchlauchinJunge Menschen warten länger mit dem ersten Sex – warum dieser Trend positiv ist
Junge Menschen in Deutschland warten länger mit ihrem ersten Geschlechtsverkehr – das zeigt die aktuelle Jugendsexualitätsstudie. Der 10. Bericht des Bundesamts für Öffentliche Gesundheit (BÖG) dokumentiert einen Wandel im Verhalten: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene verschieben ihre erste sexuelle Erfahrung. Expert:innen führen dies auf ein gestiegenes Bewusstsein und reflektiertere Entscheidungen in Beziehungen zurück.
Die Studie konzentrierte sich vor allem auf heterosexuelle Kontakte, da die Kernaufgabe des BÖG die Verhinderung ungewollter Schwangerschaften umfasst. Dennoch liefert sie auch Erkenntnisse zu generellen Trends, etwa wie junge Menschen Intimität und Einvernehmlichkeit gestalten.
2019 gaben noch 61 Prozent der Befragten an, mit 17 Jahren erstmals Sex gehabt zu haben. 2025 war dieser Anteil gesunken: 59 Prozent warteten bis zum 19. Lebensjahr. Zudem empfanden zwei Drittel der 14- bis 25-Jährigen – unabhängig von sexueller Orientierung – den Zeitpunkt ihres ersten Mals als passend.
Erste sexuelle Erfahrungen finden heute häufiger in festen Beziehungen statt. Die Erhebung zeigt, dass 65 Prozent der Mädchen und 53 Prozent der Jungen ihren ersten Geschlechtsverkehr mit einer Partnerin oder einem Partner hatten. Mechthild Paul, stellvertretende Direktorin des BÖG, sieht darin einen Hinweis darauf, dass junge Menschen bewusster mit Intimität umgehen und abwarten, bis sie sich bereit fühlen – statt sich unter Druck zu setzen.
Doch nicht alle Jugendlichen erhalten die nötige Aufklärung. Nicola Völckel, Leiterin einer AWO-Beratungsstelle in Essen, warnt, dass in manchen Familien das Thema Sex nach wie vor tabuisiert werde. Diese Schweigekultur führe dazu, dass Heranwachsende Lückenwissen oder Falschinformationen haben, die sie oft aus fragwürdigen Quellen wie sozialen Medien beziehen. Fachleute raten Eltern, frühzeitig – noch vor der Pubertät – offen über Sexualität zu sprechen.
Unterstützungsangebote helfen, diese Lücken zu schließen. Schwangerschaftsberatungsstellen bieten kostenlose Informationen zu Familienplanung, Verhütung und Sexualerziehung an – auch für junge Männer. In Nordrhein-Westfalen setzen Organisationen wie der Kinderschutzbund NRW landesweit gegen Cybergrooming und sexualisierte Gewalt ein, etwa mit Schulprojekten und Fachberatungen. Der Paritätische NRW fördert Präventionsinitiativen wie die "SEELENSchule", die sich mit psychischer Gesundheit sowie Workshops zu Liebe und Sexualität beschäftigt. Künftig könnten diese Programme um umfassendere Sexualaufklärung für Schüler:innen erweitert werden.
Die Studienergebnisse deuten auf einen Trend hin: Junge Menschen treffen zunehmend überlegtere Entscheidungen in Sachen Sex. Dass erste Erfahrungen häufiger in Beziehungen und in höherem Alter stattfinden, spiegelt veränderte Einstellungen zu Intimität wider.
Beratungsnetzwerke und Bildungsprogramme bleiben entscheidend, um Jugendlichen verlässliche Informationen zu vermitteln. Aufklärungsgespräche in Familien, Schulprojekte und professionelle Beratung sind weiterhin unverzichtbar, um Vorurteile abzubauen und gesunde Beziehungen zu fördern.