02 February 2026, 22:56

Jede dritte Apotheke in Deutschland droht zu schließen – warum die Krise eskaliert

Ein Plakat mit Text und einem Logo, auf dem "Verringerung der Arzneimittelkosten unter der Biden-Harris-Verwaltung" steht.

Jede dritte Apotheke in Deutschland droht zu schließen – warum die Krise eskaliert

Apotheken in ganz Deutschland stehen vor wachsender finanzieller Belastung – jedes dritte Geschäft droht zu schließen

Steigende Kosten und seit Jahren stagnierende Vergütungen treiben viele Apotheken in die Existenzkrise, während aktuelle Reformen kaum Entlastung bringen. Im Bielefelder Stadtteil Schildesche ist die Zahl der Apotheken seit 2012 von vier auf nur noch eine gesunken.

Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender der Bielefelder Bezirksgruppe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), traf sich kürzlich mit Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer, um die dramatische Lage zu schildern. Während die staatlich festgelegten Apothekenvergütungen in den letzten 20 Jahren lediglich um 3,1 Prozent stiegen, explodierten die Betriebs- und Personalkosten um 65 Prozent. Der aktuelle Reformentwurf der Bundesregierung verschiebt notwendige Anpassungen der Vergütung auf unbestimmte Zeit – und lässt die Apotheker damit ohne die dringend geforderte finanzielle Unterstützung zurück.

Kritisch sehen Branchenvertreter auch die geplante Abschaffung der Präsenzpflicht für Apotheker in den Filialen. Experten warnen, dass dies die Versorgungsqualität für Patienten verschlechtern könnte. Ein weiteres Problem ist der fehlende rechtliche Schutz für die Festpreisregelung bei Medikamenten, die bisher Verbraucher entlastet und Stabilität im Gesundheitssystem sichert. Oberbürgermeisterin Bauer, Juristin mit Schwerpunkt Arzneimittelrecht, will sich auf Bundesebene für stärkere Hilfen einsetzen und über den Deutschen Städtetag für die Belange der Apotheken kämpfen.

Besonders betroffen sind ländliche und kleinere Apotheken, die mit Personalmangel und schrumpfenden Gewinnen zu kämpfen haben. Als Reaktion brachte die Bundesregierung im Februar 2026 einen Gesetzentwurf auf den Weg, der die Regulierung lockern und die Rahmenbedingungen verbessern soll. Bauer unterstützt zudem Pläne zur Bekämpfung des Fachkräftemangels, darunter die Förderung eines neuen Ausbildungszentrums für Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) in der Region. Zudem plädiert sie dafür, das Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten wieder einzuführen, um lokale Apotheken zu schützen.

Ohne entscheidende Maßnahmen wird der Niedergang der Vor-Ort-Apotheken voraussichtlich weitergehen. Die aktuellen Reformen greifen die zentralen finanziellen Probleme nicht auf und lassen viele Betriebe in Existenznot. Zwar könnten Bauers Engagement und die vorgeschlagenen Schritte etwas Entlastung bringen – doch für eine langfristige Sicherung der kommunalen Apothekenlandschaft in Deutschland sind umfassendere Veränderungen nötig.