90-Jährige in Dortmund verliert bis Ende April ihr Zuhause wegen Abrissplänen
Anatol Franke90-Jährige in Dortmund verliert bis Ende April ihr Zuhause wegen Abrissplänen
90-Jährige in Dortmund muss bis Ende April ihre Wohnung räumen – wegen Abrissplänen
Lieselotte Hoeber, eine 90-jährige Dortmunderin, muss bis Ende April ihre Wohnung verlassen. Gemeinsam mit 35 weiteren Haushalten erhielt sie vom Vermieter, der Wohnungsbaugenossenschaft Volkswohlbund, eine Kündigung. Das Unternehmen plant, die bestehenden Gebäude Ende April abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen.
Alle Mieter erhielten identische Kündigungsschreiben – ein Vorgehen, das der Deutsche Mieterbund als "rechtlich fragwürdig" bezeichnet. Die Organisation hält die Begründung des Volkswohlbunds, die Bestandsgebäude seien "wirtschaftlich unrentabel", für haltlos. Besonders brisant: Der Vermieter saniert in der Nähe liegende Immobilien, statt sie ebenfalls abzureißen. Einige betroffene Mieter sind bereits in modernisierte Wohnungen umgezogen, Gerüchten zufolge mit finanziellen Anreizen des Volkswohlbunds.
Hoeber, trotz ihres hohen Alters, plant den Umzug in eines der sanierten Gebäude. Sie gibt zu, dass die Situation belastend ist, sieht aber keine Alternative. Unterdessen haben sich öffentliche Proteste weitgehend gelegt. Nur eine kleine Solidaritätsgruppe unterstützt noch die verbleibenden Mieter.
Aktuelle Baugesetze bieten den Bewohnern keine rechtliche Handhabe, um den Abriss zu stoppen. Viele fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, ohne Möglichkeit, gegen die Entscheidung vorzugehen. Der Mieterbund warnt zudem, dass die Neubauten unter dem Deckmantel der Modernisierung zu höheren Mieten führen könnten.
Die Räumungen werden wie geplant durchgeführt. Mieter wie Hoeber müssen umziehen, während der Volkswohlbund die alten Gebäude durch Neubauten ersetzt. Doch die Sorge bleibt: Werden sich die neuen Wohnungen alle leisten können? Für die Betroffenen bleibt vorerst nur die Wahl, die Veränderungen hinzunehmen – oder nach Alternativen zu suchen.