Wie eine griechische Gastarbeiterin 1973 für gleiche Löhne kämpfte und gewann
Krzysztof LöfflerWie eine griechische Gastarbeiterin 1973 für gleiche Löhne kämpfte und gewann
Irina Vavitsa kam 1971 als griechische Gastarbeiterin nach Deutschland. Sie arbeitete bei Hella, einem Automobilzulieferer in Lippstadt, und lebte in ehemaligen Zwangsarbeiterbaracken. Ihre Geschichte steht exemplarisch für die Kämpfe von Migrantinnen und Migranten im Nachkriegsdeutschland.
1973 beteiligte sich Vavitsa an einem Streik bei Hella für gleiche Bezahlung. Der Arbeitskampf folgte auf die Ölkrise und eine geplante Lohnerhöhung für deutsche Fachkräfte. Als ungelerntes Personal verdiente sie für dieselbe Arbeit weniger als ihre deutschen und männlichen Kollegen.
Der Streik dauerte drei Tage und legte die Produktion lahm. Nur deutsche Beschäftigte, die die Aktion nicht unterstützten, arbeiteten weiter. Die Polizei rückte mit Hunden an, doch am vierten Tag erreichten die Streikenden eine Lohnerhöhung von 50 Pfennig pro Stunde.
Der Arbeitskampf markierte einen Wendepunkt: Gastarbeiter wurden in die Gewerkschaftsstrukturen einbezogen – ein Beweis für die Kraft der Solidarität. Gleichzeitig zeigte er, dass der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen alle Beschäftigten verband, unabhängig von ihrer Herkunft.
Der Erfolg des Streiks verbesserte die Löhne und die gewerkschaftliche Vertretung der Gastarbeiter. Heute wächst langsam eine Erinnerungskultur an diese Kämpfe. Die Gewerkschaften spielen weiterhin eine zentrale Rolle bei der Bewahrung dieser Geschichte.
