25 April 2026, 02:29

Wie der Neoliberalismus seine Gegner seit den 1970ern schwächte – eine kritische Bestandsaufnahme

Schwarze und weiße Illustration, die den Übergang von Tory-Regelung zu liberaler Regierung zeigt, mit Menschen, Tieren und Gegenständen.

Wie der Neoliberalismus seine Gegner seit den 1970ern schwächte – eine kritische Bestandsaufnahme

Krise der Kritik: Ein neuer Essayband untersucht den Aufstieg des Neoliberalismus und die Kämpfe seiner Gegner seit den 1970er-Jahren

Die neu erschienene Aufsatzsammlung Krise der Kritik beleuchtet den Aufstieg des Neoliberalismus und die Schwierigkeiten seiner Widersacher seit den 1970er-Jahren. Die Herausgeber des Bandes argumentieren, dass ein Verständnis dieser Epoche über die bloße Dominanz des Neoliberalismus hinausgeht – es gelte vielmehr auch, die Schwächen derer zu analysieren, die sich ihm entgegenstellten. Sie warnen davor, den Neoliberalismus zu eng als eigenständige Ideologie zu betrachten, da dies breitere Kapitalismuskritiken verdecke.

Seit Langem diskutieren Sozialwissenschaftler und Historiker, wie der Neoliberalismus zum global vorherrschenden Wirtschaftsmodell werden konnte. Die Forschung lässt sich dabei in zwei zentrale Stränge unterteilen: die strukturellen Verschiebungen innerhalb des Kapitalismus und die Ideengeschichte neoliberaler Konzepte. Roman Kösters Analyse zeigt die Probleme auf, die entstehen, wenn "Neoliberalismus" als pauschaler Sammelbegriff verwendet wird – zu fragmentiert und widersprüchlich sei seine Anwendung oft.

Die Proteste von 1968, häufig als Wendepunkt betrachtet, enthielten eine Konsumkritik, die eng mit den übergeordneten Strukturen des Kapitalismus verknüpft war. Benjamin Möckel widerspricht der Annahme, der Neoliberalismus habe die Kritik von systemischen Fragen hin zu rein konsumorientierten Debatten abgelenkt. Stattdessen belegt er, wie frühere Konsumkritiken mit umfassenderen Systemanalysen verschmolzen – und damit die Erzählung eines klaren Bruchs komplizieren.

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Flemming Falz' Beitrag offenbart, dass selbst sozialdemokratische und linksliberale Politiker neoliberale Reformen übernahmen und diese als unvermeidliche Reaktionen auf Wirtschaftskrisen darstellten. Gleichzeitig brachte die Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) in den 1990er-Jahren zwar sozialistische Perspektiven zurück in die deutsche Politik – doch eine vollständige Wiederbelebung einer antikapitalistischen Bewegung blieb aus.

Die Essays legen nahe, dass der Erfolg des Neoliberalismus nicht allein auf seiner eigenen Stärke beruhte, sondern auch auf den Schwächen seiner Kritiker. Indem Gegner den Neoliberalismus als isoliertes Problem behandelten, könnten sie Chancen verpasst haben, den Kapitalismus grundlegender infrage zu stellen. Das Buch plädiert für ein differenzierteres Verständnis sowohl des ideologischen Aufstiegs als auch der Grenzen des Widerstands, auf den er traf.

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