Vom Kohlekraftwerk zum Hightech-Standort: Frimmersdorfs radikale Transformation
Karlheinz MiesPlatz für das Neue: Kühlturm des Braunkohlekraftwerks explodiert - Vom Kohlekraftwerk zum Hightech-Standort: Frimmersdorfs radikale Transformation
Im rheinischen Braunkohlerevier vollzieht sich derzeit ein tiefgreifender Wandel. Auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Frimmersdorf, einst ein Zentrum der kohlebasierten Energieerzeugung, entsteht nun ein Hub für digitale und industrielle Innovation. Das Projekt markiert den Übergang von der traditionellen Energiegewinnung hin zu moderner Technologie und nachhaltiger Industrie.
Ein erster sichtbarer Schritt war der Abriss des markanten 117 Meter hohen Kühlturms, der im Volksmund als "Die Quelle" bekannt war. Der Turm gehörte zum Block Q, der 2021 endgültig stillgelegt wurde. Durch eine kontrollierte Sprengung wurde das Bauwerk zu Boden gebracht und machte Platz für die Neuentwicklung. Bis Mitte 2028 sollen sämtliche Anlagen im nördlichen Teil des Kraftwerks, darunter die Blöcke P und Q, vollständig abgerissen sein.
Auf dem 70 Hektar großen Gelände entstehen künftig industrielle, gewerbliche und bildungsspezifische Projekte. Das zentrale Kraftwerksgebäude wird ein Rechenzentrum von IT.NRW, der IT-Behörde des Landes, beherbergen. Zudem ist ein Innovations- und Bildungscampus für IT-Sicherheit in der öffentlichen Verwaltung geplant. Ein historischer Lehrpfad soll zudem die Entwicklung der Braunkohle von der Anlieferung bis zur Stromerzeugung nachzeichnen.
Bis Anfang 2026 sollen vier Großprojekte in die Bauphase gehen: Deutsche Post DHL errichtet ein Logistikzentrum, dessen Genehmigung 2024 erteilt wurde. Umicore plant ein Werk zur Batterierecycling, das 2025 angekündigt wurde. RWE und Linde entwickeln eine Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff, ebenfalls 2025 genehmigt. Ein von Google geführtes Konsortium wird zudem einen Rechenzentrums-Campus aufbauen, dessen Pläne Ende 2025 vorgestellt wurden.
Ziel der Umgestaltung ist es, die Region Rheinland als Vorreiter für digitale Infrastruktur und nachhaltige Technologien zu positionieren.
Das Frimmersdorf-Projekt steht für einen grundlegenden wirtschaftlichen Wandel der Region. Aus einem einstigen Kohlekraft-Standort wird ein Ort für Rechenzentren, grüne Energieanlagen und moderne Logistik. Die Bauarbeiten für die ersten neuen Einrichtungen beginnen 2026, während Abriss und Entwicklung voraussichtlich bis mindestens 2028 andauern.






