Tischtennis-Team Deutschland startet ohne Boll in eine ungewisse EM-Zukunft
Anatol FrankeTischtennis-Team Deutschland startet ohne Boll in eine ungewisse EM-Zukunft
Deutschlands Tischtennis-Nationalmannschaft steht vor einem Neuanfang
Nach dem Rücktritt der Legende Timo Boll betritt die deutsche Nationalmannschaft eine neue Ära. Das Team, das einst in europäischen und weltweiten Wettbewerben dominierte, sieht sich nun stärkeren Konkurrenten und internen Veränderungen gegenüber. Mit der Europameisterschaft 2025 in Zadar rückt das Ziel in den Fokus, die Vorherrschaft in Europa zurückzuerobern.
Die deutsche Herrenmannschaft beherrschte jahrzehntelang den europäischen Tischtennis-Sport: Neun EM-Titel, sechs WM-Finals und vier olympische Medaillen prägten die Ära Boll/Ovtcharov. Doch in jüngsten Turnieren blieben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück – die Mannschaft geht nicht mehr als klarer Favorit in die Wettbewerbe. Andere Nationen haben ihre Kader gestärkt und den Weg an die Spitze erschwert.
Die EM 2025 in Zadar wird eine Bewährungsprobe. Mit Benedikt Duda (Weltranglistenplatz 8), Dang Qiu (14) und Patrick Franziska (15) bringt Deutschland Erfahrung mit, doch die einstige Dominanz fehlt. Gleichzeitig gewinnt das Damenteam an Aufmerksamkeit, insbesondere durch die Junioren-Weltmeisterin Annett Kaufmann, die als größtes Talent gilt. Manche spekulieren sogar, dass die Frauen in Zadar die Männer überflügeln könnten.
Hinter den Kulissen erinnert das Trainingszentrum in Düsseldorf noch an vergangene Triumphe – etwa an Boll’s WM-Medaille von 2021. Die kroatische Trainerin Tamara Boros, letzte Europäerin mit einer Einzel-WM-Medaille (2003), leitet nun das Team. Sabine Winter, Deutschlands beste Spielerin, sorgte zudem für Schlagzeilen, als sie mit 32 Jahren Belag und Spielstil wechselte – ein seltener Schritt im Profi-Tischtennis.
Die Zukunft der Mannschaftswettbewerbe bleibt ungewiss. Das Internationale Olympische Komitee plant, die getrennten Teamwettbewerbe der Männer und Frauen bei Olympia durch ein gemischtes Turnier zu ersetzen. Zwar betrifft diese Änderung noch nicht WM und EM, doch die Deutschen hoffen, dass diese Wettbewerbe in ihrer bisherigen Form erhalten bleiben.
Mit einer Mischung aus Erfahrung und jungem Talent reist das Team nach Zadar – das Ziel ist klar: der EM-Titel. Doch angesichts wachsender Konkurrenz und anstehender olympischer Reformen wird der Weg dorthin mehr erfordern als bloßen Ruf. Ein Erfolg 2025 könnte den Beginn eines neuen Kapitels markieren – oder das Ende einer Ära besiegeln.






