Streit um Wolfsabschuss: Warum die neue Regelung Landwirte und Naturschützer spaltet
Krzysztof LöfflerStreit um Wolfsabschuss: Warum die neue Regelung Landwirte und Naturschützer spaltet
Lockerung der Wolfsbejagung: Was Umweltschützer und Schafzüchter sagen
Die deutsche Bundesregierung hat die Einstufung des Wolfs im Jagdrecht angepasst und damit den Abschuss von Tieren erleichtert, die Nutztiere bedrohen. Der Schritt folgt nach wiederholten Angriffen durch sogenannte Problemwölfe, darunter ein bekannt gewordener Fall in Nordrhein-Westfalen. Naturschutzverbände und Jägerverbände reagieren mit gegensätzlichen Positionen auf die wachsende Population.
Im vergangenen August hatte ein Wolf namens Gloria auf einem Hof in Hünxe trotz Schutzzaun zwei Schafe und ein Lamm gerissen. Monate später griff dasselbe Tier erneut ein Schaf an, riss ihm den Bauch auf, ohne jedoch die Kehle zu beißen. Diese Vorfälle veranlassten das Bundeskabinett, die Vorschriften für den Abschuss von Wölfen, die eine Gefahr für Nutztiere darstellen, zu lockern.
In Deutschland leben derzeit 209 Wolfsrudel, vor allem in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen, sechs davon in Nordrhein-Westfalen. Über 4.300 Nutztiere fielen im vergangenen Jahr Wölfen zum Opfer – trotz Schutzmaßnahmen. Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen (LJV NRW) hatte daher für 2025 strengere Bestandsregulierungen gefordert.
Der Deutsche Jagdverband (DJV) begrüßt die neuen Regelungen und schlägt vor, zwischen Anfang Juni und Ende Oktober 40 Prozent des jährlichen Populationwachstums zu bejagen. Naturschützer hingegen argumentieren, dass der Abschuss von Wölfen Rudelstrukturen zerstören und so sogar zu mehr Angriffen auf Nutztiere führen könnte. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) besteht darauf, dass bessere Zäune und Herdenschutzhunde wirksamer seien als Bejagung.
Finanzielle Hilfen für Schutzmaßnahmen wie verstärkte Zäune und Herdenschutzhunde bleiben auch unter den aktualisierten Vorschriften bestehen.
Die Neuregelung ermöglicht es Behörden, schneller gegen Wölfe vorzugehen, die Nutztiere reißen. Während Landwirte und Jäger dies als notwendigen Schritt sehen, warnen Naturschützer vor ungewollten Folgen. Die Debatte hält an, während beide Seiten die Auswirkungen auf Wolfspopulationen und ländliche Gemeinden bewerten.