Rita Süssmuths mutige Politik prägte Deutschlands Kampf gegen AIDS
Krzysztof LöfflerRita Süssmuths mutige Politik prägte Deutschlands Kampf gegen AIDS
Rita Süssmuth, eine überzeugte Katholikin und ehemalige Professorin für Erziehungswissenschaft, entwickelte sich in den 1980er- und 1990er-Jahren zu einer der einflussreichsten Politikerinnen Deutschlands. 1937 in Wuppertal geboren, stieg sie mit Entschlossenheit in den Reihen der CDU auf und prägte Politiken, die öffentliche Gesundheit, Bildung und soziale Verantwortung in den Vordergrund stellten. Ihr Wirken während der AIDS-Krise hinterließ nachhaltige Spuren in der deutschen Herangehensweise an sexuelle Gesundheit und Krankheitsprävention.
1981 trat Süssmuth der CDU bei, geleitet von ihren Prinzipien der Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Ihr politischer Aufstieg wurde von Heiner Geißler gefördert, der die patriarchalen Traditionen der Partei infrage stellen wollte. Am 26. September 1985 wurde sie als Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit vereidigt – im Bonner Bundestag mit den Worten "So wahr mir Gott helfe".
Im Herbst 1987 startete sie die bahnbrechende Aufklärungskampagne "Gib AIDS keine Chance". Mit Millionenförderung setzte sie auf TV-Spots, Printanzeigen und Plakate, um Sexualität zu enttabuisieren und den Gebrauch von Kondomen zu fördern. Die Initiative brachte auch offene Diskussionen über Begriffe wie Kondom, Samenflüssigkeit, Analverkehr und Viruslast in den gesellschaftlichen Mainstream.
Da sie den Bedarf an Forschung und Unterstützung erkannte, gründete Süssmuth 1988 das AIDS-Zentrum beim Bundesgesundheitsamt. Noch im selben Jahr half sie bei der Einrichtung der Nationalen AIDS-Stiftung, die bessere Diagnostik und Betreuung ermöglichte. Ihr Ansatz verband wissenschaftliche Präzision mit Einfühlungsvermögen und lehnte die von manchen Konservativen propagierte "geistig-moralische Wende" ab.
1988 wurde sie Bundestagspräsidentin – ein Amt, das sie ein Jahrzehnt lang innehatte. Zeit ihres Wirkens verfolgte sie ihre Ziele mit ruhiger Beharrlichkeit und verband dabei ihre katholischen Werte mit progressivem Handeln.
Süssmuths Politiken veränderten Deutschlands Reaktion auf die AIDS-Krise grundlegend, indem sie Bildung und Solidarität zu zentralen Elementen der öffentlichen Gesundheitsstrategie machten. Ihr Erbe lebt weiter in den von ihr geschaffenen Institutionen und den offenen, informierten Debatten, die sie vorantrieb. Die Auswirkungen ihres Wirkens prägen bis heute die Einstellung zu sexueller Gesundheit und Krankheitsvorsorge.