Rekordbesuch beim Festival: Milo Raus mutige Inszenierungen polarisieren
Karlheinz MiesRekordbesuch beim Festival: Milo Raus mutige Inszenierungen polarisieren
Das diesjährige Festival lockte fast 196.000 Besucher:innen an und stellte unter der Leitung von Milo Rau einen neuen Besucherrekord auf. Mit mutigen Inszenierungen und lebhaften gesellschaftspolitischen Debatten festigte es seinen Ruf als kultureller Höhepunkt.
Milo Rau sorgte mit Republik der Götter für Furore – einer fünfwöchigen Produktion, die er selbstbewusst als das „größte Theaterstück aller Zeiten“ bezeichnete. Sein Einfluss reichte über die Bühne hinaus, denn auch die selbsternannten Propheten Peter Thiel und Braco lösten kontroverse Diskussionen aus. Trotz der hohen Besucherzahlen sank jedoch die offizielle Auslastung des Festivals.
Einige Produktionen hinterließen besonders starke Eindrücke: Angélica Liddells Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben zählte zu den prägendsten Aufführungen. Gob Squads Turn begeisterte mit einer interaktiven Erkundung des Doppelgängermotivs, während Florentina Holzingers Pfingstspiel das Publikum mit einer spektakulären Aktion faszinierte – eine Performer:in seilte sich von einer Hotelfassade ab.
Nicht alle Inszenierungen überzeugten gleichermaßen: Susanne Kennedys Parsifal litt unter den überwältigenden Digital-Effekten von Markus Selg. Nestervals Adaption der Nibelungensage fand wenig Anklang und wurde weitgehend kritisiert, und Das tragische Schicksal der Sonata Nr. 2 erinnerte an einen trockenen Abendkurs. Positiv fielen dagegen Thorsten Lensings Tanzende Idioten auf, die breite Anerkennung fanden, sowie Brigitta Muntendorfs Der Tag davor, ein kraftvolles Manifest gegen Gewalt. Patti Smith steuerte mit Gastauftritten zusätzlichen Glanz bei.
Das Festival endete mit einem gemischten Vermächtnis: Einige Produktionen glänzten, die Besucherzahlen erreichten Rekordhöhen, andere blieben hinter den Erwartungen zurück. Doch der kulturelle Einfluss des Festivals bleibt unbestritten – geprägt von kühnen künstlerischen Entscheidungen und lebendigen Debatten, die seinen Ruf prägten.






