Psychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Karlheinz MiesPsychotherapeuten in NRW protestieren gegen drohende Honorarkürzungen ab 2026
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste gegen geplante Honorarkürzungen vor, die für diesen Donnerstag angesetzt sind. Ab dem 1. April 2026 wollen die Krankenkassen die Erstattungssätze für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent senken. Kritiker warnen, dass dieser Schritt die ohnehin schon angespannte Versorgung mit psychotherapeutischen Angeboten weiter verschärfen könnte.
Die geplante Vergütungskürzung hat unter Therapeuten Empörung ausgelöst. In Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld sollen Demonstrationen stattfinden. Die Psychotherapeutenkammer NRW argumentiert, dass niedrigere Honorare noch mehr Behandler dazu veranlassen könnten, nur noch Privatpatienten zu behandeln – mit der Folge, dass gesetzlich Versicherte noch länger auf Termine warten müssten. Aktuell betrage die durchschnittliche Wartezeit für ein Erstgespräch in NRW bereits fünf Monate.
Deutschlandweit fehlen bereits rund 7.000 über die gesetzliche Krankenversicherung finanzierte Psychotherapie-Plätze (Kassensitze), besonders betroffen sind ländliche Regionen. Die veraltete Bedarfsplanung basiert auf Daten aus den 1990er-Jahren und spiegle den heutigen Bedarf nicht wider. Die Übernahme eines Kassensitzes kann bis zu 50.000 Euro kosten, was für viele Nachwuchstherapeuten eine finanzielle Hürde darstellt. Zudem verdienen Psychotherapeutinnen und -therapeuten weniger als alle anderen Fachkräfte im Gesundheitswesen – ein weiterer Grund für die Attraktivitätskrise des Berufs.
Die Honorarkürzung droht die Krise weiter zu verschärfen. Wenn noch mehr Therapeuten in die Privatpraxis wechseln, könnten sich die Wartezeiten für gesetzlich Versicherte weiter verlängern. Die Kammer warnt, dass die psychotherapeutische Versorgung in NRW unter den neuen Vergütungssätzen langfristig nicht mehr aufrechterhalten werden könne.
Die Proteste unterstreichen die wachsende Sorge um den Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung in Deutschland. Angesichts sinkender Bereitschaft von Therapeuten, Verträge mit den gesetzlichen Kassen abzuschließen, und immer längerer Wartezeiten auf Behandlungen könnte es für Patientinnen und Patienten noch schwieriger werden, Unterstützung zu erhalten. Das Ergebnis der dieswöchigen Demonstrationen könnte die künftigen Verhandlungen über Finanzierung und Zulassungen maßgeblich prägen.






