Pressevertrieb in Deutschland steht vor radikaler Zentralisierung bis 2026
Krzysztof LöfflerPressevertrieb in Deutschland steht vor radikaler Zentralisierung bis 2026
Umwälzung im deutschen Pressevertrieb: Verlage setzen auf Zentralisierung
In Deutschland steht eine grundlegende Reform des Pressevertriebssystems bevor. Das Verlagsbündnis FFF plant, die bisherigen 13 regionalen Großhändler bis Ende 2026 durch einen einzigen zentralen Betreiber zu ersetzen. Der Vorstoß stößt bei den Großhändlern auf massiven Widerstand und hat eine Welle von Rechtsstreitigkeiten in der Branche ausgelöst.
Kern der Pläne ist die Gründung der Presse-Grosso-Allianz (PGA) als alleiniger bundesweiter Großhändler. Im neuen System sollen nur noch vier Unternehmen als sogenannte „Systempartner“ übrig bleiben. Die Verlage argumentieren, die Reform senke die Kosten, stabilisiere die Handelsmargen und vereinfache die Abläufe.
Die Großhändler wehren sich mit juristischen Mitteln. Das Landgericht Dortmund wies kürzlich Eilanträge der Unternehmen PDG und Lütkemeyer gegen die Kündigung ihrer Verträge durch die Verlage ab. Beide Firmen kündigten an, den Kampf gegen die Umstrukturierung mit allen rechtlichen Mitteln fortzusetzen.
Auch andere Großhändler wie Jost, Mietke, PGSW und Grossounion Nord fochten ihre Vertragskündigungen vor Gericht an. Der Bundesverband Presse-Grosso verurteilte das Vorgehen der Verlage als gezielten Versuch, einen eigenständigen Wirtschaftssektor zu zerschlagen. Ziel der Branche ist es, die Reform noch bis Sommer 2023 zu stoppen.
Bisher haben behördliche Prüfungen die Pläne nicht aufgehalten. Das Bundeskartellamt erklärte, nach Anpassungen der Verlagsvorschläge vorerst keine Schritte einzuleiten.
Das FFF-Bündnis bleibt auf Kurs, die PGA als zentralen Presse-Großhändler in Deutschland zu etablieren. Zwar laufen weiterhin Klagen der betroffenen Großhändler, doch die Reform scheint unaufhaltsam – es sei denn, Gerichte greifen ein. Bis 2026 wird sich das Pressevertriebssystem des Landes damit grundlegend wandeln.
