NRWs ABC-Klassen: Sprachförderung mit unklaren Folgen für Kitas und Kinder
Krzysztof LöfflerNRWs ABC-Klassen: Sprachförderung mit unklaren Folgen für Kitas und Kinder
Nordrhein-Westfalen (NRW) führt im Rahmen seiner Bildungsoffensive Schulkompass NRW 2030 frühkindliche und verbindliche Sprachförderung in sogenannten ABC-Klassen ein. Das Vorbild dafür kommt aus Hamburg, doch es mehren sich Bedenken, wie gut sich diese Klassen in die bestehenden Betreuungsstrukturen einfügen werden. Kritiker warnen, dass das neue System parallele Förderangebote schaffen könnte, statt die bereits vorhandenen zu stärken.
Geplant ist, Kinder mit zusätzlichem Sprachförderbedarf regelmäßig aus ihren gewohnten Kita-Gruppen zu nehmen, um sie gezielt zu unterstützen. Doch sowohl lokale Politiker als auch Fachleute melden Zweifel an. Die Frühpädagogin Maja Wehrmann argumentiert, dass die Herausnahme der Kinder aus vertrauten Umfeldern ihre Lernroutinen stören und sogar zu Stigmatisierung führen könnte. Die Expertin Jessica Schliewe ergänzt, dass Sprachentwicklung am besten in vertrauten Beziehungen und alltäglichen Interaktionen gelinge – Bedingungen, die in Kitas bereits gegeben seien.
Die Bildungsforscherin Simone Lammert weist auf ein grundlegendes strukturelles Problem hin: Die ABC-Klassen könnten neben den bestehenden Förderangeboten herlaufen, anstatt diese zu verbessern. Diese Unklarheit lässt wichtige Akteure im Ungewissen, wie das neue Modell in die aktuellen Strukturen passt – was die Planung vor Ort erschwert.
In Solingen befürworten sowohl CDU als auch Grüne zwar die frühe Sprachförderung, lehnen aber den aktuellen Ansatz ab. Stattdessen fordern sie eine bessere Abstimmung zwischen Land und Kommunen. Ihr Vorschlag zielt darauf ab, die bestehende Kita-Förderung zu stärken, statt ein separates Modell einzuführen. Lokale Politiker drängen nun auf eine Überarbeitung des ABC-Klassen-Konzepts, um eine bessere Integration zu gewährleisten und Doppelstrukturen zu vermeiden.
Die Debatte um NRWs ABC-Klassen dreht sich darum, ob sie die bestehende Förderung ergänzen oder eher verkomplizieren werden. Ohne klarere Vorgaben zur Verzahnung stehen die Kommunen vor Herausforderungen bei Planung und Umsetzung. Der Ausgang wird zeigen, ob die Strategie die frühe Sprachentwicklung tatsächlich stärkt – oder ein ineffizientes Parallelsystem schafft.






