23 March 2026, 00:29

Neuer Streit um Rodung: Warum der "Kleine Sündenwald" zum Zankapfel wird

Schwarzes und wei├čes Foto eines Kohlebergwerks mit Geb├Ąuden, Masten und B├Ąumen im Hintergrund und Text unten.

Was Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - Neuer Streit um Rodung: Warum der "Kleine Sündenwald" zum Zankapfel wird

Ein neuer Streit um Rodungen ist nahe dem deutschen Tagebau Hambach entbrannt. Diesmal geht es um den "Kleinen Sündenwald", ein kleines Waldstück östlich des einst berühmten Hambacher Forstes. Aktivisten haben das Gebiet besetzt und damit die Pläne des Energiekonzerns RWE verzögert, dort Bäume zu fällen und Kies für einen künftigen See abzubauen.

Die Konfrontation erinnert an frühere Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst, doch dieser Wald liegt außerhalb des "Braunkohle-Kompromisses" von 2020, der den größeren Nachbarwald verschonte. Die Behörden haben inzwischen ein Betretungsverbot für das Gelände verhängt, was die Spannungen zwischen Polizei, Demonstranten und dem Unternehmen weiter anheizt.

Der "Kleine Sündenwald" – benannt nach lokalen Legenden über heimliche Jugendtreffen – ist zum jüngsten Zankapfel in den Bergbaukonflikten Nordrhein-Westfalens geworden. RWE besteht darauf, dass die Rodung notwendig sei, um Kies für die Stabilisierung der Ufer eines geplanten Sees zu gewinnen, der nach Ende des Abbaus entstehen soll. Das Unternehmen versichert, alle Genehmigungen lägen vor und Artenschutzprüfungen seien abgeschlossen, einschließlich eines Gerichtsurteils von Januar, das Bedenken hinsichtlich der Bechsteinfledermaus zurückwies.

Kritiker hingegen werfen dem Projekt vor, kommerzielle Interessen über den Umweltschutz zu stellen. Berichten zufolge soll das abgebauten Material unter anderem für den Bau einer Yachtmarina genutzt werden, während Umweltschützer betonen, dass es sich um ein funktionsfähiges Ökosystem handle. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW, eine regionale Naturschutzorganisation, hält dagegen, es gäbe Alternativen, und der Wald besitze symbolischen Wert – auch wenn ihm die übergeordnete klimapolitische Bedeutung des Hambacher Forstes fehle.

Die Fällarbeiten sollten eigentlich am 1. Oktober beginnen, doch Aktivisten im Wald blockierten die Maßnahmen. Daraufhin verhängte die Stadt Kerpen ab dem 20. Oktober ein Betretungsverbot für das Gebiet und ermächtigte die Polizei, Demonstranten notfalls mit Gewalt zu entfernen. Anders als der Hambacher Forst war dieses Waldstück nie Teil der Vereinbarung von 2020 zum schrittweisen Ausstieg aus der Braunkohleförderung – und genießt daher auch nicht denselben rechtlichen Schutz.

RWE betont, der Kies sei unverzichtbar für die sichere Gestaltung von Dämmen innerhalb der genehmigten Abbauzone. Gegner jedoch fragen sich, ob die Zerstörung eines weiteren Waldes – wenn auch kleinen – mit den Klimazielen Deutschlands oder der öffentlichen Stimmung nach den viel beachteten Kämpfen um den Hambacher Forst vereinbar ist.

Der Konflikt hängt nun von der Durchsetzung ab, während die Polizei die Räumung der Aktivisten vorbereitet. Mit allen rechtlichen Genehmigungen in der Hand ist RWE bereit, die Pläne umzusetzen – doch der Widerstand hält an. Das Ergebnis wird zeigen, ob kleinere Wälder wie dieser dem Schicksal des Hambacher Forstes entgehen können – oder ob auch sie den langfristigen Abbauplänen zum Opfer fallen werden.

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