31 January 2026, 19:37

Maurizio Cattelan gewinnt überraschend den Preis der Nationalgalerie 2026

Ein Plakat mit einem Porträt von Louis Armstrong, dem Botschafter des Jazz, mit seinen All-Stars im UNESCO-Theater, umgeben von Text.

Maurizio Cattelan gewinnt überraschend den Preis der Nationalgalerie 2026

Maurizio Cattelan, eine der provokativsten Figuren der Kunstwelt, hat den Preis der Nationalgalerie Berlin 2026 gewonnen. Die Entscheidung markiert einen Kurswechsel für den Preis, der traditionell junge Künstler unter 40 förderte. Seine anstehende Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie während der Berlin Art Week wird seine einflussreiche Karriere würdigen.

Der Preis der Nationalgalerie Berlin wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um alle zwei Jahre in Deutschland tätige Nachwuchskünstler auszuzeichnen. Zu den früheren Preisträgern zählen Elmgreen & Dragset (2002), Monica Bonvicini (2005), Cyprien Gaillard (2011) und Anne Imhof (2015). 2024 brach die Jury mit der Tradition und ehrte stattdessen die gesamte Shortlist anstelle eines einzelnen Gewinners.

Cattelan, mittlerweile in seinen 60ern, hat sich mit kühnen, oft kontroversen Werken einen Namen gemacht, die Macht, Religion und Kapitalismus herausfordern. Seine Stücke – wie Comedian (2019), eine mit Klebeband an der Wand befestigte Banane, oder America, ein Toilettenbecken aus Massivgold – erzielten bei Auktionen Millionen und lösten weltweite Debatten aus. Ein weiteres Schlüsselwerk, La Nona Ora, zeigt einen vom Meteoriten getroffenen Papst. Darüber hinaus kuratierte er 2006 gemeinsam die Berlin Biennale und festigte so den Ruf der Stadt als Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Der Preis 2026 rückt nun Künstler mit engen Bezügen zu Berlin und internationaler Strahlkraft in den Fokus. Dennoch wirft die Wahl Cattelans, eines etablierten Namens, Fragen auf. Angesichts knapper werdender Kulturförderung fragen sich manche, ob die Auszeichnung nicht eher dem Nachwuchs zugutekommen sollte statt einer bereits weltweit gefeierten Persönlichkeit.

Cattelans goldene Toilette America soll in den kommenden Monaten versteigert werden. Seine Einzelausstellung in der Neuen Nationalgalerie im September 2026 wird sein Schaffen in neuem Kontext präsentieren. Die Schau fällt in eine Phase, in der sich der Preis neu ausrichtet – weg von der Förderung junger Stimmen, hin zu langfristiger Wirkung.