Mainzer Fastnacht: Wie ein Fest der Rebellion die Stadt prägt
Mainzer Fastnacht prägt seit über zwei Jahrhunderten die Identität der Stadt. Das Fest, bekannt für seine ausgelassenen Umzüge und beißende Satire, beginnt offiziell am 1. Januar, doch die Vorbereitungen starten bereits jedes Jahr am 11. November. Eine neue Führung erkundet nun seine bewegte Geschichte – von den Anfängen im frühen 19. Jahrhundert bis zur Wiederbelebung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Tradition nahm unter französischer Herrschaft zu Beginn des 1800er-Jahre ihre heutige Form an. Bereits 1837 legte der Krähwinkler Landsturm-Umzug den Grundstein für die berühmten Rosenmontagszüge. Die politisch-literarische Büttenrede – eine satirische Ansprache – geht vermutlich auf die Vormärzzeit (1815–1848) zurück, als Freiheitsdrang und die Verspottung der Obrigkeit zum Kern der Feiern wurden.
Doch selbst nach dem Krieg überlebte der Fastnachtsgeist: 1946 belebten die Mainzer das Fest neu und bewahrten seinen rebellischen Charakter. Heute arbeiten hunderte Vereine und Garden das ganze Jahr über, um von Maskenbällen bis zu den Fastnachtssitzungen alles zu organisieren – satirischen Veranstaltungen, bei denen kein Thema tabu ist.
Am 12. November startet die Führung „Mainzer Fastnacht seit 1814“, die dieses Erbe aufarbeitet. Geleitet von einem Major der Mainzer Kleppergarde, zeigt sie, wie aus einem Fest des Widerstands das prägende Stadtereignis wurde.
Die Tour bietet die Chance, die Geschichten hinter Mainzes berühmtestem Fest zu entdecken. Mit Wurzeln in Satire und Protest bleibt die Fastnacht eine kraftvolle Stimme des Volkes. Ihr Einfluss reicht weit über die Februar-Umzüge hinaus und formt die lokale Kultur das ganze Jahr über.






