18 March 2026, 16:30

Kulturstreit um HKW: Warum Chefkets Absage Berlin polarisiert

Schwarze und weiße Zeichnung des Reichshallen Theaters in Berlin, die das Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und einer Decke zeigt, einschließlich Text am unteren Rand.

Kulturstreit um HKW: Warum Chefkets Absage Berlin polarisiert

Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin steht im Zentrum eines hitzigen Kulturstreits. Die Kontroverse begann, als der deutsche Rapper Chefket, der vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt worden war, seinen Auftritt im HKW absagen musste. Der Entscheidung vorausgegangen war politischer Druck, nachdem er ein T-Shirt mit palästinensischen Symbolen und der Umrisssilhouette Israels in arabischer Kalligrafie getragen hatte.

Chefket sollte am 7. Oktober im HKW auftreten – Teil eines Programms unter der Leitung des Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung. Der aus Kamerun stammende Kurator hatte 2023 die Leitung übernommen und machte das HKW damit zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von People of Color geführt wird. Sein "postkolonialer" Ansatz stieß jedoch in Teilen des deutschen Kunstbetriebs auf Kritik.

Die Absage erfolgte nach einem Eingreifen von Kulturminister Wolfram Weimer, der argumentierte, der Konflikt im Nahen Osten lasse sich nicht durch "mittelmäßige deutsche Rapper" lösen. Als Reaktion zogen alle anderen deutschen Künstler:innen, die im HKW auftreten sollten, ihre Teilnahme aus Solidarität zurück. Der Boykott erfasste sogar internationale Acts, obwohl der haitianische Saxophonist Jowee Omicil dort erst kürzlich ohne Zwischenfälle gespielt hatte.

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Der Satiriker Jan Böhmermann versuchte, auf die Schwierigkeiten des HKW aufmerksam zu machen, indem er eine Ausstellung mit dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft" ankündigte. Doch weder seine Intervention noch Weimers Handeln konnten die Spannungen entschärfen. Die Institution, nur wenige Schritte vom Kanzleramt entfernt, wird von der Bundespolitik trotz ihrer globalen kulturellen Ambitionen weitgehend ignoriert.

Die Debatte hat zu Verschiebungen in der deutschen Kulturförderung geführt. Die Zuschüsse des Goethe-Instituts für internationale Kunst- und Musikprojekte wurden ausgeweitet, ebenso die Unterstützung für grenzüberschreitende Austauschprogramme. Doch politische Uneinigkeit über Prioritäten und Budgets sorgt dafür, dass diese Förderung weiterhin unbeständig bleibt.

Das Ansehen des HKW hat unter dem anhaltenden Streit gelitten, seine internationale Position ist geschwächt. Die Absage von Chefkets Auftritt und der anschließende Boykott haben die Einrichtung isoliert. Unterdessen bleibt die Bundesförderung für globale Kulturprojekte den wechselnden politischen Strömungen unterworfen.

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