Krefelds OB kontert Merz: "Städtischer Verfall liegt an Unterfinanzierung, nicht an Migration"
Anatol FrankeKrefelds Bürgermeister kritisiert Merz und fordert mehr Geld - Krefelds OB kontert Merz: "Städtischer Verfall liegt an Unterfinanzierung, nicht an Migration"
Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer hat Bundeskanzler Friedrich Merz für dessen jüngste Äußerungen zur deutschen "städtischen Landschaft" scharf kritisiert. Meyer, Mitglied der SPD, wies Merz' Erklärungen als unangemessen für einen Regierungschef zurück. Die eigentlichen Probleme lägen in chronischer Unterfinanzierung und struktureller Vernachlässigung – nicht allein in der Migration, betonte er.
Der Streit entzachte sich, nachdem Merz städtischen Verfall mit Migranten ohne dauerhaften Aufenthaltsstatus in Verbindung gebracht hatte. Diese würden sich seiner Aussage nach vor Arbeit drücken und deutsche Gesetze missachten. Als Lösung schlug er Abschiebungen vor. Meyer konterte, dieser Fokus auf die Herkunft sei "absurde" und wenig zielführend.
Stattdessen nannte Meyer drängende Probleme in Städten wie Krefeld: Vermüllung, kämpfende Einzelhandelsbranchen, mangelhafte Straßenbeleuchtung und marode Infrastruktur. Reinigungskräfte hätten einen aussichtslosen Kampf zu führen, da Straßen oft unmittelbar nach der Säuberung erneut verschmutzt würden, erklärte er. Finanzielle Engpässe verhinderten, dass Kommunen diese Missstände wirksam bekämpfen könnten.
Zwar räumte Meyer schwere soziale Herausforderungen ein – etwa Obdachlosigkeit und psychische Krisen in bestimmten Stadtteilen –, doch führte er diese auf jahrelange Unterfinanzierung zurück. Er forderte die Bundesregierung auf, den Kommunen endlich ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, statt einzelne Gruppen als Sündenböcke zu instrumentalisieren.
Merz hatte seine Aussagen zuvor damit verteidigt, dass Abschiebungen bei mangelnder Integration notwendig seien. Meyer wies diesen Ansatz jedoch als Ablenkung von tiefgreifenden systemischen Versäumnissen zurück.
Die Debatte offenbart eine wachsende Spaltung darüber, wie dem städtischen Niedergang zu begegnen ist. Während Meyer mehr Finanzhilfen fordert, setzt Merz auf verschärfte Migrationskontrollen. Ohne zusätzliche Ressourcen könnten Städte wie Krefeld weiterhin mit Sauberkeit, Infrastruktur und sozialer Fürsorge kämpfen.






