Kölner Karneval 2026 startet mit Regen und politischer Satire trotz Moskauer Prozesses
Karlheinz MiesHöhepunkt des Straßenkarnevals: Kölns Rosenmontagszug hat begonnen - Kölner Karneval 2026 startet mit Regen und politischer Satire trotz Moskauer Prozesses
Kölner Karneval 2026 startet mit Regen – und politischer Satire trotz Moskauer Prozess gegen Float-Designer
Mit regennassen Straßen hat in Köln der Rosenmontagszug um 10:00 Uhr die fünfte Jahreszeit eingeläutet und die Karnevalssaison 2026 in Deutschland vollends in Schwung gebracht. Doch während die Jecken feiern, steht der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly weiterhin in Moskau vor Gericht – angeklagt wegen seiner satirischen Darstellung des russischen Präsidenten Wladimir Putin in früheren Umzügen. Auch in diesem Jahr werden die Karnevalsumzüge wieder mit scharfer politischer Kritik aufwarten: Im Visier stehen Putin selbst, die rechtspopulistische AfD und der ehemalige US-Präsident Donald Trump.
Der Kölner Zug startete am Severinstor unter dem Motto "ALAAF – Mer dun et för Kölle" ("Wir tun es für Köln") und würdigt damit das ehrenamtliche Engagement in der Stadt. Die fast vierstündige Parade wird gegen 13:50 Uhr ihr Ziel erreichen. Unterwegs können die Zuschauer sich auf rund 300 Tonnen Süßigkeiten und 300.000 kleine Sträuße freuen, die von den Wagen aus verteilt werden.
In Düsseldorf rollt der Umzug später am Tag – und die bereits veröffentlichten Entwürfe zeigen provokante Motive: Putin am Steuer einer "AfD"-Drohne sowie eine Darstellung, in der er gemeinsam mit Trump Europa verschlingt. Diese brisanten Szenen erinnern an Tillys frühere Arbeiten, die nun den Hintergrund für seinen laufenden Prozess in Russland bilden. Seit seiner Anklage 2023 drohen ihm bis zu zehn Jahre Straflager, weil er Putin karikiert hatte. Der Fall sorgt in deutschen Medien für Aufsehen und wird als Beispiel für die Angst des Kremls vor Satire gewertet.
Die öffentliche Debatte deutet den Prozess als Beleg für Putins Regime, das Spott fürchtet. Tilly selbst bleibt trotzig und erklärt: "Satire tut ohnehin weh." Ein für den 28. Januar angesetzter Verhandlungstermin wurde verschoben – die rechtliche Unsicherheit bleibt damit bestehen. Große Medien wie T-Online, der Tagesspiegel und der Spiegel berichten ausführlich über den Fall und betonen die Bedeutung der Meinungsfreiheit angesichts der Kontroverse.
Die Umzüge verbinden traditionelle Karnevalsfreude mit mutigen politischen Statements und spiegeln so die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen in Deutschland wider. Während die Narren feiern, rückt zugleich Tillys juristischer Kampf in den Fokus – ein Symbol für die Spannungen zwischen freier Rede und autoritärer Unterdrückung. Zugleich zeigt sich einmal mehr, wie der Karneval seit jeher als Plattform für soziale und politische Kritik dient.






