Kölner Initiative kämpft gegen Überwachung – und für echte Sicherheit durch Solidarität
Kölner Initiative kämpft gegen Überwachung – und für echte Sicherheit durch Solidarität
Eine neue Kampagne in Köln stellt sich gegen die Abhängigkeit der Stadt von Polizei und Überwachung zur öffentlichen Sicherheit
Die Initiative "Sicherheit für Alle" argumentiert, dass echte Sicherheit durch die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse entsteht – und nicht durch mehr Kameras oder Razzien. Aktivist:innen testen diesen Ansatz nun im Stadtteil Kalk, wo die Spannungen mit der Polizei in den letzten Jahren zugenommen haben.
Die Kampagne verweist auf einen drastischen Anstieg der Überwachung in Nordrhein-Westfalen: Gab es 2015 erst 12 feste Kameras, wird ihre Zahl bis 2025 auf etwa 220 gestiegen sein – allein 106 davon in Köln. Kritiker:innen warnen, dass KI-gestützte Gesichtserkennung die rassistische Profilbildung verschärfen könnte, insbesondere in Vierteln wie Kalk und Ehrenfeld, wo Migrant:innengemeinschaften häufiger Razzien in ihren Betrieben ausgesetzt sind.
"Sicherheit für Alle" führt den rassistischen Anschlag von Hanau 2020 als zentrales Beispiel für systemisches Versagen an: Trotz wiederholter Warnungen blieb rechtsextreme Gewalt ungehindert, während Migrant:innen in Köln weiterhin kriminalisiert werden. Die Initiative betont, dass Kameras und Polizeistreifen wenig dazu beitragen, Schaden zu verhindern – vor allem, wenn Behörden dringende Hilferufe ignorieren.
Stattdessen setzen sich die Organisator:innen für soziale Sicherheit als Grundlage von Schutz ein: Wohnraum, Nahrung und Gesundheitsversorgung müssten allen Bewohner:innen garantiert werden – unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Projekte wie "Kalk Solidarisch" und neue Nachbarschaftszentren bieten bereits Unterstützung an und zielen darauf ab, Vertrauen statt Überwachung aufzubauen. Lokale Aktivist:innen betonen, dass echte Sicherheit damit beginnt, den Anwohner:innen zuzuhören und ihre alltäglichen Kämpfe anzugehen.
Kritik gibt es auch am "Masterplan Kommunale Sicherheit" der Stadt, der den Fokus auf Polizeieinsätze in Vierteln wie Kalk legt. Die Kampagne wirft der Stadt vor, dass stigmatisierende Sprache und harte Maßnahmen die Gräben nur vertiefen. Ihr Alternativmodell setzt auf gemeindegeführte Lösungen, in denen Sicherheit durch Solidarität – nicht durch Überwachung – definiert wird.
Die Initiative "Sicherheit für Alle" setzt ihre Ideen nun in Kalk in die Praxis um. Indem sie soziale Bedürfnisse über Polizeimaßnahmen stellt, will sie beweisen, dass Sicherheit keine lückenlose Überwachung erfordert. Das Ergebnis könnte die Debatte darüber verändern, wie Städte öffentliche Sicherheit gestalten – mit einem Shift von Kameras hin zu gemeinschaftlicher Fürsorge.
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