15 May 2026, 10:32

"Ich war nur Nummer 2033": Wie ein Heimkind 80 Operationen und Missbrauch überlebte

Illustration eines historischen Prozessdokuments mit Porträts, Vorhängen und Text zum Fall Lord Baltimore.

"Ich war nur Nummer 2033": Wie ein Heimkind 80 Operationen und Missbrauch überlebte

Thomas Frauendienst kam am 23. März 1964 mit angeborenen spastischen Klumpfüßen zur Welt. Von seiner Familie unerwünscht, wurde er noch in der Nacht seiner Geburt in das Johanna-Helene-Heim nach Volmarstein gebracht. Die Einrichtung, berüchtigt für ihre hohe Sterblichkeitsrate, setzte ihn jahrelang Misshandlung und medizinischer Vernachlässigung aus.

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Im Heim wurde Frauendienst unter der Nummer 2033 im Logbuch des Chefarztes erfasst – unter dem Eintrag Kinder in Sonderbehandlung. In seinen ersten vier Jahren dort durchlitt er über 80 Operationen, chronischen Hunger und wiederkehrende Gewalt, darunter auch sexuellen Missbrauch. Die brutalen Zustände in der Einrichtung brachten ihr den makabren Spitznamen der Todesbunker von Volmarstein ein.

Ein Wendepunkt ereignete sich 1968, als eine Diakonisse drohte, die Missstände öffentlich zu machen. Unter diesem Druck nahm Frauendiensts Familie ihn schließlich bei sich auf. Zu diesem Zeitpunkt war er schwer unterernährt, und seine Genesung zog sich über Jahre hin.

Jahrzehnte später erhielt Frauendienst eine offizielle Anerkennung für sein Leid. Die Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe zahlte ihm 5.000 Euro als Entschädigung für die erlittene sexuelle Gewalt. Zudem erhielt er 4.000 Euro von der Stiftung Anerkennung und Hilfe.

Sein Fall spiegelt ein größeres Muster wider: Eine aktuelle Studie zeigte, dass 20 Prozent der Jugendlichen in Einrichtungen Nordrhein-Westfalens mit missbräuchlichen Medikamentenpraktiken konfrontiert waren – oft in Verbindung mit anderen Formen der Misshandlung.

Frauendiensts frühes Leben war geprägt von institutioneller Grausamkeit und familiärer Ablehnung. Seine Geschichte, die nun durch Entschädigungszahlungen anerkannt wird, unterstreicht die bleibenden Narben systematischen Missbrauchs in Heimen. Die Studienergebnisse bestätigen zudem, dass solches Leid kein Einzelfall war.

Quelle