Fünf gerettete Dörfer kämpfen um ihren Wiederaufbau – doch die Rückkehr bleibt schwierig
Anatol FrankeFünf gerettete Dörfer kämpfen um ihren Wiederaufbau – doch die Rückkehr bleibt schwierig
Fünf Dörfer im Rheinland kämpfen um den Wiederaufbau – dreieinhalb Jahre nach ihrer Rettung vor dem Abriss Drei Jahre nach einem Gerichtsurteil, das die Rückkehr ehemaliger Bewohner ermöglichte, kommt der Wiederaufbau der fünf Dörfer in der Erkelenzer Börde nur langsam voran. Die Ortschaften Keyenberg, Kückhoven, Immerath, Lützerath und Wockerath waren einst für den Braunkohletagebau Garzweiler II geräumt worden. Doch seit ein Urteil 2022 den Rückkauf der Häuser erlaubte, gestaltet sich die Rückkehr schwierig und zögerlich. Von den einst rund 1.500 Umsiedlern haben bis Anfang 2026 erst zwölf ihre Häuser zurückerwerben können. Ein weiterer Kauf steht kurz vor dem Abschluss, während sechs Familien noch über eine Rückkehr nachdenken. Der Prozess gestaltet sich für viele frustrierend. Oliver Kanneberg, ehemaliger Bewohner von Kuckum, gab seinen Versuch auf, sein Haus zurückzubekommen – die Hürden waren zu groß. Andere schrecken vor dem Zustand der lange leerstehenden Häuser zurück, die nun teure Sanierungen erfordern. Der Energiekonzern RWE, dem die Häuser gehören, bietet sie zu Festpreisen von etwa 200.000 Euro an. Doch die Finanzierung des Wiederaufbaus bleibt ungewiss. Von den bis Jahresende benötigten zwei Milliarden Euro sind erst 546,5 Millionen gesichert. Der Haushalt des Landes geht von 1,87 Milliarden aus – doch ob die Mittel tatsächlich fließen, steht noch nicht fest. Bis Januar 2026 haben sich die meisten ehemaligen Bewohner entweder gegen eine Rückkehr entschieden oder können nicht zurück. Neue Bewohner sind noch nicht eingezogen, sodass die Dörfer verwaist wirken. Bürgermeister Muckel rechnet damit, dass es ein Jahrzehnt dauern könnte, bis die Region sich vollständig erholt – das geplante Fluten des nahegelegenen Tagebaus ist erst für 2036 vorgesehen. Die Zukunft der fünf Erkelenzer Dörfer hängt am seidenen Faden. Angesichts weniger Rückkehrer und unsicherer Finanzierung bleibt unklar, ob die Region sich neu erfinden oder weiter verfallen wird. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob der Wiederaufbau gelingt – oder der Niedergang unaufhaltsam ist.