02 February 2026, 19:10

Frauen dominieren erstmals die Gastronomie-Ausbildung – doch die Chefetagen bleiben männlich

In einem Restaurant stehen Frauen an einer Essensbestellung, während an der anderen Seite Tische und Stühle mit einer Frau und einem Mann an einem der Tische angeordnet sind.

Frauen dominieren erstmals die Gastronomie-Ausbildung – doch die Chefetagen bleiben männlich

Deutschlands kulinarische Szene erlebt einen allmählichen Wandel in der Geschlechterbalance – doch die Ungleichheiten bestehen fort. 2024 stellten Frauen erstmals eine leichte Mehrheit unter den neu ausgebildeten Köchinnen und Köchen. Doch in Führungspositionen und bei renommierten Auszeichnungen sind Männer nach wie vor deutlich in der Überzahl.

In Hamburg setzen Initiativen und prominente Köchinnen Zeichen für Veränderung. Von Pop-up-Bars bis zu digitalen Plattformen schaffen Frauen in der Branche neue Chancen und fordern gleichzeitig fairere Arbeitsbedingungen.

Noch 2023 begannen in Hamburg weniger Frauen als Männer eine kulinarische Ausbildung – ein Trend, der sich bundesweit widerspiegelte, auch wenn die genauen Zahlen für jenes Jahr unklar bleiben. Doch 2024 erreichte Deutschland einen Meilenstein: Frauen machten erstmals etwas mehr als die Hälfte aller frisch examierten Fachkräfte in der Gastronomie aus.

Trotz dieses Fortschritts bleibt die Anerkennung auf höchstem Niveau ungleich verteilt. 2025 hielten nur 14 Frauen in Deutschland einen Michelin-Stern – gegenüber 337 Männern. Auch in Führungspositionen zeigt sich ein Gefälle: Lediglich 33 Prozent der leitenden Stellen in der Gastronomie sind mit Frauen besetzt.

Vor Ort treiben Köchinnen Innovation und Engagement voran. Clara Hunger, eine Hamburger Köchin, eröffnete mit Nullkommaeins eine Pop-up-Bar in St. Pauli, die Kreativität mit Gemeinschaft verbindet. Zora Klipp, Küchenchefin in einem Hamburger Restaurant, setzt auf pflanzenbasierte Gerichte und hinterfragt dabei traditionelle Hierarchien in der Küche.

Vernetzung und Sichtbarkeit werden zu zentralen Hebeln für Veränderung. Die Food-Journalistin Denise Wachter startete Chef:in, Deutschlands erste Plattform, die sich ausschließlich Spitzenköchinnen widmet. Das Verzeichnis gewinnt an Bedeutung – mittlerweile beziehen Produktionsfirmen über die Liste Talente für TV-Formate. Viele Frauen in der Branche fordern zudem familienfreundlichere Strukturen: Flexiblere Arbeitszeiten und bessere Unterstützungsangebote, so ihr Argument, würden helfen, Fachkräfte zu halten.

Die deutsche Gastronomie wird langsam inklusiver, mit Frauen, die nun in der Ausbildung die Mehrheit stellen. Doch bei Auszeichnungen, Führungspositionen und branchenweiter Anerkennung hinkt die Entwicklung noch hinterher. Plattformen wie Chef:in oder Projekte wie Nullkommaeins zeigen, wie Sichtbarkeit und Vernetzung echten Wandel bewirken können. Die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen und gerechteren Chancen bleibt jedoch zentral, um die Lücke endlich zu schließen.