EU-Kommission plant radikale Reform des Emissionshandels – Chemieindustrie atmet auf
Krzysztof LöfflerEU-Kommission plant radikale Reform des Emissionshandels – Chemieindustrie atmet auf
Die Europäische Kommission wird an diesem Mittwoch ihre ersten Vorschläge zur Reform des EU-Emissionshandels (ETS) vorlegen. Die geplanten Änderungen sollen langjährige Bedenken energieintensiver Branchen – insbesondere der Chemieindustrie – über hohe CO₂-Kosten ausräumen. Ein kürzlich erschienener Gastbeitrag von Evonik-Chef Christian Kullmann und dem EU-Abgeordneten Peter Liese hat die Debatte weiter angeheizt und fordert praktikable Lösungen sowie ausgewogene Kompromisse.
Im Mittelpunkt der Reformpläne der Kommission steht die Marktstabilitätsreserve (MSR), wobei bis Mai 2026 zentrale Anpassungen erwartet werden. Eine bedeutende Neuerung sieht vor, die Streichung von Zertifikaten innerhalb der MSR dauerhaft aufzuheben – eine Maßnahme, die das Angebot erhöhen und so zu sinkenden CO₂-Preisen beitragen soll. Damit reagiert die Kommission direkt auf Klagen aus Branchen wie der Chemieindustrie, die geltend machen, dass die hohen Kosten ihre globale Wettbewerbsfähigkeit untergraben.
Weitere Maßnahmen umfassen eine Senkung des jährlichen Kürzungsfaktors (LRF) von 4,4 auf 3,4 Prozent. Die Reformen werden zudem Technologien für negative Emissionen einbeziehen und Zertifikate aus Drittstaaten in das ETS integrieren. Sollten die Änderungen im Eilverfahren beschlossen werden, könnten sie noch vor Jahresende in Kraft treten.
Kullmann, der zuvor entweder eine Abschaffung oder eine radikale Reform des ETS gefordert hatte, plädiert nun für einen gemäßigteren Ansatz. In seinem gemeinsam mit Peter Liese im Handelsblatt veröffentlichten Beitrag betont er die Notwendigkeit kluger Kompromisse statt grundlegender Umwälzungen. Die Chemieindustrie könnte insbesondere von überarbeiteten Benchmarks im Rahmen der neuen Regeln profitieren.
Die anstehenden ETS-Reformen markieren einen Wandel in der Art und Weise, wie die EU Klimaziele mit industriellen Belangen in Einklang bringt. Durch eine größere Verfügbarkeit von Zertifikaten und sinkende Kosten sollen die Änderungen den Druck auf Branchen verringern, die mit ihrer Wettbewerbsfähigkeit kämpfen. Die Vorschläge der Kommission werden nun von Abgeordneten und Industrievertretern geprüft, bevor eine mögliche Umsetzung noch in diesem Jahr erfolgen könnte.






