Essen diskutiert: Wie das Stromnetz durch Digitalisierung und Standards flexibler wird

Krzysztof Löffler
Krzysztof Löffler
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Ein blaues Solarpanel mit der weißen Schrift "Clean Energy Gov" in der Mitte, in einem Gittermuster angeordnet.Krzysztof Löffler

Essen diskutiert: Wie das Stromnetz durch Digitalisierung und Standards flexibler wird

Auf dem Climate Solution Forum in Essen skizzierte der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) zentrale Maßnahmen, um die Flexibilität und Transparenz des Stromnetzes zu stärken. Zwei zentrale Prioritäten standen im Fokus: die beschleunigte Einführung von Netzteuerungssystemen und die Umsetzung des Digitalen Produktpasses 4.0 (DPP4.0). Beide Schritte gelten als entscheidend für ein effizienteres und widerstandsfähigeres Energienetz.

Die Diskussionen fanden im Rahmen der E-world energy & water statt, wo Experten betonten, dass bestehende Technologien allein nicht ausreichen – nun komme es auf eine breitere Anwendung, klare Standards und konsequente Umsetzung an.

Seit 2020 schreitet der Ausbau von Netzteuerungssystemen in den deutschen Mittelspannungsnetzen nur langsam voran. Studien des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) zeigen, dass der Anteil der Netzbetreiber mit installierten Systemen bis 2025 lediglich von etwa 15 auf 30 Prozent steigen wird. Die zögerliche Entwicklung hat mehrere Gründe: hohe Kosten von bis zu 500.000 Euro pro System, fehlende Standardisierung – etwa bei der IEC-61850-Kompatibilität – sowie ein Mangel an Fachkräften, wobei rund 20 Prozent der Stellen unbesetzt bleiben. Zudem verzögern sich Genehmigungsverfahren im Rahmen der Netzausbaubeschleunigungsgesetze (NABEG).

Um die Netzflexibilität deutlich zu erhöhen, nannte der ZVEI drei zentrale Hebel: Erstens müssten technische Standards gestärkt und einheitlich angewendet werden. Zweitens seien Lücken zwischen Komponenten und Systemen zu schließen, um eine nahtlose Integration zu gewährleisten. Drittens müssten erfolgreiche Pilotprojekte zügig in die Flächenanwendung überführt werden. Mit einer beschleunigten Einführung der Steuerungssysteme ab 2026 soll bis 2027 eine messbare Flexibilitätssteigerung auch in den Niederspannungsnetzen erreicht werden.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Digitalen Produktpass 4.0 (DPP4.0), der als zuverlässiges, durchgängiges Datenrahmenwerk den gesamten Lebenszyklus eines Produkts abbilden soll. Bei konsequenter Umsetzung könnte er die Effizienz im Netzausbau und -betrieb deutlich verbessern. Sein Erfolg hängt jedoch von einer breiten Verpflichtung der Hersteller und Anwender ab, vom Aufbau eines unabhängigen Datenökosystems sowie von seiner Nutzung als zentrale Datenquelle in einem interoperablen, datensouveränen Digitalraum.

Die Fachleute waren sich einig: Einzelne Pilotprojekte reichen nicht mehr aus. Für ein widerstandsfähiges und flexibles Energiesystem seien nun flächendeckende Einführung, klare Schnittstellen und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen unverzichtbar.

Das Forum in Essen machte deutlich: Die technologische Grundlage für ein leistungsfähiges Stromnetz ist bereits vorhanden. In der nun entscheidenden Phase kommt es auf schnellere Umsetzung, stärkere Standardisierung und konsequentes Handeln an. Ohne diese Schritte bleiben die Ziele eines effizienteren und anpassungsfähigeren Energienetzes unerreicht.

Sowohl die Netzteuerungssysteme als auch der Digitale Produktpass 4.0 müssen die Testphasen hinter sich lassen. Ihr volles Potenzial entfalten sie erst durch großflächige Einführung, branchenweite Zusammenarbeit und unterstützende regulatorische Bedingungen.

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