11 January 2026, 10:58

Bundeskartellamt warnt: Tech-Giganten bedrohen Europas Wettbewerbsfähigkeit

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Bundeskartellamt warnt: Tech-Giganten bedrohen Europas Wettbewerbsfähigkeit

Andreas Mundt, Präsident des deutschen Bundeskartellamts, warnt vor erheblichen Wettbewerbsrisiken für den europäischen Technologiensektor. Er verwies darauf, wie Großkonzerne wie Google und Meta zentrale Bereiche dominieren – von Cloud-Infrastrukturen über den Zugang zu Daten bis hin zu finanziellen Ressourcen. Ohne eine sorgfältige Regulierung, so Mundt, könnten diese Unternehmen ihre Marktpositionen weiter ausbauen und zementieren.

Als Beispiel nannte er das EU-Gesetz zur künstlichen Intelligenz (AI Act), das unbeabsichtigt große Konzerne begünstigen könnte. Werden solche Vorschriften nicht klug umgesetzt, könnten sie bestehende Marktstrukturen verfestigen, statt sie zu öffnen, erklärte Mundt. Er zog einen Vergleich zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), deren Einhaltung für kleinere Unternehmen oft schwieriger ist als für die Tech-Riesen.

Laut Mundt gibt es echten Wettbewerb im Bereich der KI derzeit nur bei grundlegenden Modellen – den Kernsystemen hinter Anwendungen wie ChatGPT oder Googles NotebookLM. Abseits dieser Nische schufen die Kontrolle der Großkonzerne über riesige Datenbestände und ihre finanziellen Mittel jedoch erhebliche Hürden für Start-ups. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, forderte Mundt stärkere wirtschaftliche Rahmenbedingungen in der EU. Ein zentraler Vorschlag war die Schaffung einer echten Kapitalmarktunion, die Start-ups den Zugang zu Finanzmitteln erleichtern würde. Große institutionelle Investoren – etwa Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherer sowie öffentliche Einrichtungen wie die Europäische Investitionsbank (EIB) und der Europäische Investitionsfonds (EIF) – könnten seiner Meinung nach eine entscheidende Rolle bei der Bereitstellung von Wachstumskapital spielen.

In seinen Warnungen nannte Mundt keine konkreten Unternehmen, betonte aber die Notwendigkeit systemischer Veränderungen, um faire Wettbewerbsbedingungen im europäischen Technologieumfeld zu schaffen.

Mundts Aussagen unterstreichen die Spannung zwischen Regulierung und Marktgerechtigkeit in der europäischen Tech-Branche. Ohne bessere Finanzierungsmechanismen und eine durchdachte Gestaltung der Politik, so sein Argument, werde es für Start-ups schwer bleiben, gegen die etablierten Giganten zu bestehen. Seine Vorschläge zielen daher auf strukturelle Reformen ab – nicht auf die gezielte Regulierung einzelner Unternehmen.