BP beschleunigt radikale Sparpläne und verkauft deutsche Raffinerie für Milliarden
Anatol FrankeBP beschleunigt radikale Sparpläne und verkauft deutsche Raffinerie für Milliarden
BP treibt massive Kostensenkungen und Umstrukturierungen voran – Ölpreis auf Rekordniveau, Lieferketten unter Druck
Der britische Energiekonzern BP beschleunigt seine Pläne für drastische Einsparungen und Umstrukturierungen, während die Ölpreise stark steigen und globale Lieferketten unter Spannung geraten. Das Unternehmen hat sein Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar bis 2027 angehoben. Gleichzeitig verkauft BP Vermögenswerte – darunter eine wichtige deutsche Raffinerie –, um seine finanzielle Lage zu festigen.
Die jüngste Rallye beim Brent-Ölpreis, der sich mit rund 112 US-Dollar pro Fass auf einem hohen Niveau bewegt, verleiht BPs Strategie zusätzliche Dringlichkeit. Gleichzeitig muss sich der Konzern mit Arbeitskonflikten in einer US-Raffinerie auseinandersetzen, während er Milliardendeals im Rahmen seiner Desinvestitionspläne vorantreibt.
Die Umstrukturierung unter CEO Murray Auchincloss begann zwar bereits 2023, doch seitdem kämpft BP mit einem schwächeren Börsenwert. Lag die Marktkapitalisierung Anfang 2023 noch bei etwa 95 Milliarden US-Dollar, pendelt sie sich bis März 2026 zwischen 85 und 90 Milliarden ein. Gründe dafür sind unter anderem der Rückgang der Ölpreise – von über 80 US-Dollar pro Fass 2023 auf unter 70 US-Dollar 2025 und Anfang 2026 –, die hohen Kosten für den Umstieg auf erneuerbare Energien, Konjunktursorgen und die Konkurrenz durch nachhaltigere Energieunternehmen.
Nun, da der Brent-Preis aufgrund von Blockaden in der Straße von Hormus auf 112 US-Dollar hochgeschnellt ist, zieht BP seine finanzielle Neuaufstellung vor. Das Unternehmen hat sein Einsparziel für 2027 erhöht und strebt nun Kostensenkungen zwischen 6,5 und 7,5 Milliarden US-Dollar an. Diese Maßnahmen sollen die Cashflow-Situation sichern und die Bilanz stärken.
Ein zentraler Baustein der Strategie sind Vermögensverkäufe. BP veräußert seine Raffinerie in Gelsenkirchen an die Klesch Group – ein Deal, der bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten ablaut. Die Anlage verarbeitet jährlich 12 Millionen Tonnen Öl und beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter, die zum neuen Eigentümer wechseln werden. Die Bank HSBC reagierte darauf mit einer Heraufstufung der BP-Aktie von "Reduce" auf "Hold" und erhöhte zugleich das Kursziel.
Bisher hat BP bereits über 11 Milliarden US-Dollar seines Desinvestitionsziels von 20 Milliarden bis 2027 erreicht. Dennoch bleiben Herausforderungen: In den USA wurden rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte der BP-Raffinerie in Whiting, Indiana, nach gescheiterten Tarifverhandlungen ausgesperrt. Die Unternehmensführung betont jedoch, dass die Produktion nicht schwerwiegend beeinträchtigt werde.
Unabhängig von BPs Schritten hat die US-Regierung die Lieferkettenengpässe etwas entlastet, indem sie eine 60-tägige Ausnahmegenehmigung für den Jones Act erteilte. Dadurch dürfen ausländische Schiffe vorübergehend Güter zwischen US-Häfen transportieren – eine Maßnahme, die einige der globalen Verzögerungen bei Öl- und Gaslieferungen ausgleichen soll, die durch die Blockaden in der Straße von Hormus entstanden sind.
BP setzt mit seinen jüngsten Maßnahmen auf eine Stabilisierung in unsicheren Ölmärkten und sich wandelnden Energienachfragen. Der Verkauf der deutschen Raffinerie und die verschärften Sparziele sollen bis 2027 für solide Finanzen sorgen. Trotz Arbeitskonflikten und wirtschaftlicher Belastungen hat das Unternehmen bereits 11 Milliarden US-Dollar aus Verkäufen erlöst und treibt seine Pläne weiter voran.
Der starke Anstieg des Brent-Preises fügt der Lage eine weitere Komplexitätsebene hinzu. Wie BP diese Herausforderungen meistert, wird seine Position in einer Branche prägen, die gleichzeitig mit Lieferstörungen und dem langfristigen Wandel konfrontiert ist.






