21 January 2026, 23:09

Aachener Forscher entwickeln virtuelle Spuren für automatisierte Logistikfahrzeuge

Eine Eisenbahnschiene verläuft durch eine Stadtlandschaft mit Fahrzeugen, Grünflächen, Polen, Brücken, Gebäuden und einem bewölkten Himmel.

Aachener Forscher entwickeln virtuelle Spuren für automatisierte Logistikfahrzeuge

Neues Forschungsprojekt der RWTH Aachen: Virtuelle Fahrspuren sollen Stadtlogistik revolutionieren

Ein neues Forschungsvorhaben der RWTH Aachen will die städtische Logistik mit virtuellen Fahrbahnabschnitten für automatisierte Fahrzeuge grundlegend verändern. Das unter dem Namen ViDeLL (Virtuelle Dedizierte Logistik-Lanes) laufende Projekt zielt darauf ab, Staus zu verringern, indem selbstfahrende Lieferfahrzeuge in bestehende Verkehrsnetze integriert werden. Finanziert wird die Initiative von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens sowie der Europäischen Union.

Das ViDeLL-Projekt wurde vom Lehrstuhl für Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen ins Leben gerufen, um die wachsenden Güterverkehrsströme in Städten zu bewältigen. Professor Achim Kampker, Leiter des PEM-Lehrstuhls, verweist auf Warnungen vor einem drohenden Verkehrsollaps, da das Frachtaufkommen kontinuierlich steigt. Statt teure separate Spuren zu bauen, entwickelt das Team virtuelle Lösungen, die den Straßenraum dynamisch für automatisierte Logistikfahrzeuge reservieren.

Drei Schwerpunkte stehen im Mittelpunkt der Forschung: die "Last-Mile"-Zustellung in Innenstädten, die Handelslogistik sowie der industrielle Transport zwischen Produktionsstandorten. Die Wissenschaftler:innen untersuchen, wie sich diese Fahrzeuge in den bestehenden Verkehr einfügen, und entwerfen ein Sicherheitskonzept für ihren Einsatz. Zudem werden rechtliche Hürden analysiert, um Vorschläge für gesetzliche Anpassungen zu unterbreiten, die eine breitere Nutzung automatisierter Logistiksysteme ermöglichen. Kern von ViDeLL ist die Entwicklung von Algorithmen, die virtuelle Spuren in Echtzeit steuern. Durch die Auswertung von Verkehrsdatensätzen passt das System die Straßenbelegung flexibel an, um die Effizienz zu steigern – ohne dass neue physische Infrastruktur nötig wäre. Ziel ist ein kostengünstiger, anpassungsfähiger Ansatz, der sich in die bestehenden rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen einfügt.

Anders als viele Logistikprojekte konzentriert sich ViDeLL nicht auf schnellere Lieferungen oder die Elektrifizierung von Fahrzeugen, sondern darauf, städtische Verkehrssysteme durch intelligente Technologien flexibler zu gestalten.

Das Projekt soll beweisen, dass virtuelle Logistikspuren Staus reduzieren und gleichzeitig die Kosten niedrig halten können. Bei Erfolg könnten die Erkenntnisse künftige Richtlinien für den automatisierten Stadtverkehr prägen. Die Forschung verspricht praktikable Lösungen für Kommunen, die mit steigenden Güterverkehrsanforderungen konfrontiert sind.